Früher sprachen die Bergischen von der „Banane“ zwischen Düsseldorf und Köln. Jetzt scheint sich mit der „Metropolregion Rheinland“ (ST berichtete) ein ganzer, vor Vitaminen strotzender Obstkorb aufzutun. Das Tageblatt fragte IHK-Präsident Friedhelm Sträter und Hauptgeschäftsführer Michael Wenge, ob ihr Bemühen, selbstständig zu bleiben, das Bergische Land nicht zum verschrumpelten Apfel am Rand macht. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, Udo Siepmann, sagt: „Wir wollen als Metropolregion endlich auf die Landkarte.“ Worum geht es bei der Initiative Rheinland und der neuen Dachmarke?
Friedhelm Sträter/Michael Wenge: Eine „Metropolregion“ kommt nicht auf eine Landkarte. Als dynamisches Gebilde wird sie sich nie nach Grenzen richten, schon gar nicht nach IHK-Bezirken. Die Industrie- und Handelskammern Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln und Mittlerer Niederrhein (Krefeld) haben sich vor sechs Jahren in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um sich als Rheinland stärker vom Ruhrgebiet abzugrenzen und durch gemeinsame Initiativen einer von ihnen gewünschten Region „Rheinland“ mehr Durchsetzungskraft zu verleihen. Hintergrund waren damals Pläne zu einer Verwaltungsreform mit einem neuen Regierungsbezirk Rheinland. Den linken Niederrhein nördlich von Krefeld rechnen die Kollegen der anderen Kammern übrigens nicht zum Rheinland, obwohl er unzweifelhaft dazugehört. Eine „Metropolregion Rheinland“ gibt es gegenwärtig noch nicht, und die Verwaltungsreform ist in weite Ferne gerückt. Sie haben sich für eine Kooperation mit dem Rheinland ausgesprochen, wollen aber die Eigenständigkeit der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid erhalten. Warum? Schließlich gab es auch schon für den Zusammenschluss der drei bergischen Kammern gute Gründe.
Sträter/Wenge: Es geht um unsere Region als Ganzes. Der Wirtschaftsraum Bergisches Städtedreieck kooperiert bereits seit langem erfolgreich mit dem Rheinland und zwar in vielen Bereichen, die für unsere Unternehmen wichtig sind. Wir haben in zähen Verhandlungen mit der Landesregierung erreicht, endlich auch EU-Fördergelder in unsere Region zu holen und zwar als eigenständige Wirtschaftsregion und nicht als rheinisches Anhängsel. Dabei haben wir bei Politik und Verwaltung auf Landesebene höchste Anerkennung erfahren. Es ist außerdem beabsichtigt, uns in der neuen Landesentwicklungsplanung größere Autonomie im Bereich der Planung zu gewähren. Dadurch sind wir in der Lage, regional im Bergischen Städtedreieck Gewerbegebiete eigenständig zu planen.
Was sagen Ihre Mitgliedsfirmen? Bei der jüngsten IHK-Vollversammlung lobten Sie, Herr Sträter, die gemeinsame Gewerbeflächenvermarktung. Weitere Projekte wie ein gemeinsames Marketingkonzept und eine gemeinsame Wirtschaftsförderung werden von den Unternehmern gewünscht. Ist das angesichts der neuen Initiative „Metropolregion Rheinland“ nicht zu kurz gesprungen?
Sträter/Wenge: Nein, wir haben als IHK für die Unternehmen in unserem Bezirk zu sorgen. Unsere Vollversammlung hat sich schon damals dafür ausgesprochen, als eigenständige Region mit dem Rheinland zu kooperieren, insbesondere im Bereich Automotive/Technologie, BioRiver und bei vielem anderem mehr.
„Eine Metropolregion Rheinland gibt es gegenwärtig noch nicht.“
Friedhelm Sträter, Michael Wenge
Selbstverständlich sind wir Bestandteil der „Metropolregion Rhein-Ruhr“ und bringen uns gerne in eine solche ein. Die Unternehmerinnen und Unternehmer unserer Vollversammlung sollten im September nach ausführlicher Diskussion darüber entscheiden, ob und zu welchem Zeitpunkt die Verbindungen zum Rheinland weiter ausgebaut werden.
Wäre es denkbar, dass die hiesige IHK auseinander bricht, weil Solingen, das am nächsten an der Rheinschiene liegt, sich lieber dort anschließt, um vom Boom zu profitieren?
Sträter/Wenge: Uns sind keine derartigen Bestrebungen in Solingen bekannt. Schon gar nicht führt ein engeres Zusammenwirken in einer Metropolregion Rheinland zu Problemen innerhalb des Bergischen Städtedreiecks. Man sollte aber nicht vergessen, dass wir unmittelbar an der Nahtstelle zwischen Ruhrgebiet, Märkischem Raum und Rheinland liegen und zu allen Nachbarräumen gleich gute Verbindungen unterhalten. Im industriellen Bereich sind die Gemeinsamkeiten zum Kreis Mettmann und zur bergisch-märkischen Wirtschaftsregion stärker, im Dienstleistungsbereich wie auch bei den Zeitungen sind die Bindungen an das Rheinland deutlich höher. Das alles wird ein spannender Prozess, dem wir uns gerne stellen und in den wir uns tatkräftig einbringen werden. flm