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02.09.2011 15:50
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Düsseldorfer IHK-Chef: „Hohe Erwartung ans Rheinland“

Das Gespräch führte Uwe-Jens Ruhnau

Solingen sucht den Anschluss ans Rheinland. Als Teil der Metropolregion, die sich von Aachen bis an die Grenzen des Ruhrgebiets erstreckt, will das Bergische Städtedreieck seine Zukunftschancen ausbauen. Deshalb hat sich die Klingenstadt einer Initiative angeschlossen, die der Metropolregion Konturen verleihen will. Nach anfänglicher Zurückhaltung unterstützt auch die Industrie- und

HINTERGRUND

ZUR PERSON Udo Siepmann (60) ist seit 1999 Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer. Siepmann setzt sich schon lange für den Schulterschluss des Rheinlandes ein, das den Ruhr-Kommunen geschlossen entgegentreten soll. Siepmann ist verheiratet und hat zwei Kinder.

REGIO-GIPFEL Am 22. September fahren die Oberbürgermeister und Landräte von sechs IHK-Bezirken (Düsseldorf, Köln, Krefeld, Wuppertal, Aachen, Bonn/Rhein-Sieg) drei Stunden per Schiff von Köln nach Düsseldorf. Kooperationsthemen: Verkehr und Kultur.

Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid dieses Projekt. Erst im Juli veranstaltete sie in Köln mit benachbarten Kammern einen Impuls-Kongress zum Thema, den auch Oberbürgermeister Norbert Feith besuchte. Mit Blick auf den am 22. September stattfindenden Regio-Gipfel sprach unsere Zeitung mit Düsseldorfs IHK-Manager Udo Siepmann über die Metropolregion.

Herr Siepmann, am 22. September steigt nach langer Vorbereitung der Regio-Gipfel. Kommt da mehr heraus als in den letzten Jahren, wenn es um die regionale Zusammenarbeit ging?

Udo Siepmann: Dort muss mehr herauskommen. Die Erwartungen sind in der Region hoch gespannt. Die Zusammenarbeit war in den letzten Jahren eher kleinräumiger Art, etwa in Aachen, Köln-Bonn oder neuerdings hier mit Düsseldorf und den Kreisen Neuss und Mettmann. Das sind gute Bausteine, aber das Rheinland will mehr.

Inwiefern?

Siepmann: Eine Metropolregion, die mit den starken Regionen in Deutschland und Europa mithalten will, muss größer sein als diese kleineren Teilregionen. Dann kann dann auch mehr für alle Beteiligten dabei herauskommen. Die Aufgabe ist jetzt, die Win-win-Situationen für alle zu definieren. Das wird nicht ganz einfach.

Welches sind für Sie die wichtigsten Themen?

Siepmann: Zunächst sollten wir das Verbindende suchen und nicht das Trennende. Dazu gehört, dass wir gemeinschaftlich die Verkehrsprobleme lösen. Das ist äußerst wichtig, deswegen ist dies neben der Kultur eines der beiden Themen, die beim Regio-Gipfel zu besprechen sind.

Was meinen Sie genau?

Siepmann: Die Güterströme, die unsere Region erreichen – vor allem von den großen belgisch-niederländischen Seehäfen als unseren Lebensadern zur Weltwirtschaft – werden erheblich zunehmen. Allein beim Containerverkehr reden wir von einer Zunahme von mehr als 70 Prozent bis 2030. Dies wird über die Schifffahrt gehen, aber auch per Lkw oder Eisenbahn – um die Güter hier herein zu bekommen, aber auch unsere Exportgüter heraus. An all diese Verkehrswege, vor allem neu geschaffene, müssen Anschlüsse hergestellt werden.

Aber macht die Region sich nicht von allein? Viele Entscheidungen sind doch vom Markt getrieben: Ob’s die Hafen-Fusion ist oder ausgelastete Hotels in Köln zum ESC in Düsseldorf. Braucht es da noch den politischen Zusammenschluss?

Siepmann: Auf jeden Fall. Wer gemeinsam auftritt, hat größere Chancen, die Entscheidungsträger bei Bund und Land zu überzeugen und Mittel in die Region zu lenken. Und vergessen Sie nicht: Wir haben bei den Straßenprojekten die großen Achsen stehen, aber es gibt immer noch Engpässe und Visionen, etwa die Circle-Line mit Brückenschlag der U81 vom Niederrhein zur Messe bis ins Bergische.

„Wer gemeinsam auftritt, hat größere Chancen, Bund und Land zu überzeugen.“

Udo Siepmann

Wird es beim Gipfel Zieldefinitionen und einen Zeitplan geben?

Siepmann: Wenn man weitermachen will, wäre es sicher sinnvoll, Arbeitsmethodik, Fahrplan und Koordination festzulegen. Die Industrie- und Handelskammern des Rheinlandes erhoffen sich genau das.

Wie weit sollte die Zusammenarbeit der Städte und Kreise gehen, um Ziele wie diese irgendwann schnell gemeinsam umzusetzen?

Siepmann: Das große Ganze wäre der Regionalplan Rheinland. Andere haben mit der Zusammenlegung von Planungskompetenzen schon begonnen. Das Ruhrgebiet, aber auch der Stuttgarter und der Frankfurter Raum, Berlin-Brandenburg sogar über Ländergrenzen hinweg.

Wie ist die Kern-Region definiert?

Siepmann: Sie reicht von Bonn über Köln bis Düsseldorf, Krefeld und Kleve, die Kreise drum herum gehören dazu, im Südwesten bis Aachen. Auch das Bergische Land mit Wuppertal und Solingen ist hierhin orientiert und deswegen im Boot. Es gibt übrigens bereits Anfragen an uns aus der größeren Nachbarschaft.

Als Name ist Region Rheinland im Gespräch. Der früher gehandelte Name Rhein-City führt beides zusammen: den weltberühmten Rhein und die Metropolregion. Ist dieser Vorschlag immer noch so belastet, weil er vom verstorbenen Oberbürgermeister Erwin zu offensiv eingebracht wurde?

Siepmann: Über die Marke Rhein sollte es eigentlich keine Diskussion mehr geben und mir wäre der Begriff Metropolregion Rheinland der liebste. Die Menschen hier identifizieren sich mit dem Rhein, er ist positiv besetzt und international eingeführt. Engländer und Franzosen sprechen ihn nahezu gleich aus. Aber es sollte jetzt ein kreativer Findungsprozess einsetzen.

Was muss in den nächsten fünf Jahren passieren, damit Sie sagen: Die Region hat sich gefunden?

Siepmann: Meine Wunschvorstellung ist es, dass wir ein geübtes Miteinander finden und zum wechselseitigen Nutzen möglichst viele Win-win-Situationen definieren.