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25.07.2008 09:13
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Hoffnung geht nicht baden
In aller Ruhe zieht Petra Bleckmann ihre Bahnen im Freibad Ittertal, während neben ihr die Kinder toben. „Es gibt keinen Grund, nicht mehr hierher zu kommen“, sagt sie, denn schließlich schwimme es sich auch im flachen Becken ganz hervorragend. Seit mehr als 20 Jahren kommt sie hierher. „Weil es das schönste Bad ist. Etwas Besseres gibt es einfach nicht.“ Sehr traurig wäre sie, wenn die Anlage endgültig schließen müsste.

Am Dienstag haben die Betreiber des Sport- und Kulturzentrums Ittertal Insolvenz angemeldet. So massiv ist die Finanznot der gemeinnützigen GmbH, dass sie die Juli-Gehälter nicht mehr zahlen kann (ST berichtete). Trägerverein, Geschäftsführer und Insolvenzverwalter suchen nun nach Wegen, die Gesellschaft zu retten - und geben sich durchaus optimistisch. Zumindest bis Ende August läuft der Geschäftsbetrieb normal weiter.

Arbeitslose: Maßnahmen laufen weiter

Und so verbringen auch am gestrigen Donnerstag zahlreiche Besucher einen Sonnen-Tag im Ittertal (Eintritt: 1 Euro). „Für Sportschwimmer ist das sicher nichts in dem kleineren Becken“, meint Bademeister Thomas Czeckay. Aber viele Gäste seien mit den Schwimm-Möglichkeiten durchaus zufrieden. Zumal der Betrieb des großen Beckens, das zwei Millionen Liter Wasser fasst, bis zu 30 000 Euro mehr kosten würde.

In der Stadt löst die Insolvenz Besorgnis aus. „Die Ittertal gGmbH hat als Beschäftigungsträger eine große Bedeutung“, unterstreicht Jochen Welp, persönlicher Referent des Oberbürgermeisters. Auch für das Diakonische Werk ist die Gesellschaft ein wichtiger Partner: Ein Ittertal-Sozialarbeiter betreut so genannte Ein-Euro-Jobber, die für die Diakonie arbeiten. „Eine bewährte Kooperation“, bescheinigt Diakonie-Geschäftsführer Horst Koss. Er hofft außerdem im Interesse der Solinger Kinder, dass die Freizeitanlage erhalten bleibt: „Wir wissen ja um die Notwendigkeit von Bewegungsflächen für Kinder.“

Für rund 60 Langzeitarbeitslose, die derzeit bei der Ittertal gGmbH beschäftigt sind (siehe Kasten), ändert sich erst einmal nichts. „Sie kommen dort weiter in den Genuss von Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen“, versichert Martin Hückeler, stellvertretender Geschäftsführer des Zentrums für Eingliederung in Arbeit. Die Hartz-IV-Behörde gibt für diese Menschen rund 46 000 Euro im Monat aus. Hückeler: „Die Zusammenarbeit mit der Ittertal gGmbH ist äußerst kooperativ - gerade bei Menschen, die intensiverer Betreuung bedürfen.“ Fiele die GmbH weg, ginge ein „kompetenter Träger im Kampf gegen Arbeitslosigkeit“ verloren.

Das will Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver gemeinsam mit seinen Mitstreitern verhindern. Der SPD-Mann ist Vorsitzender des Ittertal-Trägervereins, der jetzt in einen gemeinnützigen Förderverein umgewandelt werden könnte. „Dann wäre es leichter, engagierte Bürger und Sponsoren einzubinden“, sagt Müller-Stöver. Zunächst sei aber eine „schonungslose Analyse der Kostenstrukturen“ nötig. Besonders in der Verwaltung, stellt der Vereinsvorsitzende schon jetzt fest, seien die Personalaufwendungen zu hoch. Die Festangestellten müssten wahrscheinlich Abstriche an ihren tariflichen Sonderleistungen akzeptieren.

Der Verein verhandelt seit längerem mit der Stadt, um das Freibad-Gelände übertragen zu bekommen - nicht zuletzt als Sicherheit für Investitionskredite, um Freizeitgeräte für das neue Nutzungskonzept zu bezahlen. Müller-Stöver: „Solange wir unsere Finanzlage nicht verbessern, wird uns die Stadt das Gelände aber kaum überlassen.“ ab, bjb