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30.01.2012 10:02
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Hoferichter: „Solingen bleibt in Bewegung“

Das Gespräch führte Jörn Tüffers

Seit bald elf Jahren sind Sie nun in Solingen – und damit der Dienstälteste im Verwaltungsvorstand. Was war Ihre erste Berührung damals mit Solingen?

Hartmut Hoferichter: Mein erster Kontakt war an einem trüben Sonntag mit dem Gebäude des alten Hauptbahnhofs. Da hatte ich zunächst einen negativen Eindruck von der Stadt. Das gesamte Umfeld befand sich ja städtebaulich in einem völlig ungeordneten Zustand. Auch der Anblick des Neumarkts ist mir noch lange negativ in Erinnerung geblieben. Zum Glück kannte ich schon die Pläne der Regionale.

Das heißt, Sie sind von Köln aus nicht über die A 3 in die Klingenstadt gekommen und haben dadurch einen ersten Vorgeschmack auf die Stauproblematik an der Anschlussstelle Solingen erhalten.

Hoferichter: Davon habe ich in der Tat erst später erfahren – und das Thema beschäftigt uns ja auch aktuell noch.

Es ist so etwas wie ein Trauma in der Verkehrspolitik. Muss man nicht akzeptieren, dass die Anbindung Solingens ans Autobahnnetz nicht optimal ist?

Hoferichter: Über den Anschluss an die A 542 müssen wir vorläufig nicht mehr reden. Das ist finanziell von keiner der beteiligten Seiten zu schultern und hat in den Planungen des Bundesverkehrsministers nicht den Stellenwert, um darauf hoffen zu können, dass der Ausbau doch noch kommt. Das hing auch bisher weniger davon ab, wer gerade in Berlin die Mehrheit hatte.

Also bleibt es dabei, die Zufahrt von der Hardt aus zu verbessern?

Hoferichter: Wir haben mit dem Landesbetrieb Straßen NRW Vorschläge für eine verbesserte Anbindung besprochen. Die sind mittlerweile untersucht, und eine Planungsvariante ist aktuell für die Umsetzung vorgestellt worden. In allen Fällen war wichtig, dass die Konzepte vor allem auch mit Langenfeld abgestimmt wurden, schließlich bewegen wir uns auf deren Stadtgebiet.

Welche Variante bevorzugen Sie?

Hoferichter: Mit der zusätzlichen Fahrspur in Richtung Langenfeld auch unter der Brücke und den Ampelanpassungen wird nach meiner Einschätzung die deutlichste Verbesserung erzielt. Dies hat den Vorteil, dass die Verkehre in Richtung Köln und Langenfeld besser fließen können. Außerdem ist der Aufwand beschränkt: Es müssen nur in geringem Maße anliegende Flächen beansprucht werden, und wir können ein umfangreiches Planverfahren umgehen.

Besteht an der A 46 in Gräfrath ebenfalls Handlungsbedarf?

Hoferichter: Zusätzliche Auf- und Abfahrten, die mal zur Diskussion standen, sind kein Thema mehr. Mit Haan sind wir im Gespräch, wie weit wir auf den Ausbau der Gewerbegebiete in Solingen und vor allem Haan verkehrlich reagieren müssen. Ziel ist es, die Zufahrt zum Beispiel Elberfelder/Gräfrather Straße zur A 46 auszubauen.

Im gesamten Stadtgebiet entsteht der Eindruck, dass der Lkw-Verkehr zugenommen hat.

Hoferichter: Das ist so. Es sind nicht so viele Verkehre von Lkw auf die Schiene verlagert worden, wie man sich das vor zehn Jahren erhofft hatte. Im Gegenteil: Es gibt einen Anstieg von fünf Prozent.

Die Prognose: Werden wir in zehn Jahren weniger Verkehrsaufkommen haben?

Hoferichter: Davon ist nicht auszugehen. Obwohl die Einwohnerzahl sinkt, werden wir kaum weniger Autos haben: Die Menschen werden älter und möchten mit ihrem Pkw länger mobil bleiben. Das ist in den Metropolen anders. In Köln und Düsseldorf wird der Individualverkehr wegen des ausgezeichneten Bus- und Bahnangebots abnehmen.


Welche Chancen gibt es, den innerstädtischen Verkehr zu entlasten?

Hoferichter: Von Großprojekten wie der Westumgehung brauchen wir nicht weiter zu reden. Was Entlastung bringen wird, ist zum Beispiel der Umbau am Dickenbusch. Und am künftigen Einkaufszentrum müssen vom Weyersberg aus kommend die Zufahrten verbessert werden. Die Kosten dafür zahlt aber der Investor. Daneben gilt es, den ÖPNV und die Verknüpfung der Verkehrsmittel zu verbessern.

Wie viel Einzelhandel verträgt die Innenstadt? Von der Konrad-Adenauer-Straße über die City bis hin zur Schützenstraße finden sich Geschäfte.

Hoferichter: Die Bereiche erfüllen sehr unterschiedliche Bedürfnisse. An der Konrad-Adenauer-Straße erleben wir eine Mischung von Dienstleistung und Nahversorgung, an der Schützenstraße eine Konzentration von Lebensmittelmärkten. Die sind für die Bewohner in der Südstadt wichtig. Und das Dreieck zwischen Neumarkt, Clemens-Galerien und Entenpfuhl bildet den innerstädtischen Kern.

Macht es angesichts des Niedergangs der Unteren Hauptstraße in den vergangenen 20 Jahren Sinn, Geld in die Neugestaltung des Entenpfuhls zu stecken?

Hoferichter: Was ist die Alternative? Es so zu belassen, wie es ist? Wer vom Süden aus Richtung Innenstadt fährt, sieht kein gutes Entree. Wir müssen da in Vorleistung treten: Die Eigentümer und Anlieger beklagen sich ja darüber, dass wir nichts tun und fragen, warum sie etwas unternehmen sollten, um die Straße aufzuwerten. Sie werden dann aber gefordert sein, wenn der Umbau kommt. Das alles könnte von einer Immobilien- und Standortgemeinschaft flankiert werden, denn ein neues Pflaster allein tut es nicht.

Sprechen wir über einen anderen Bereich der Wirtschaft: Acht Jahre nach Erschließung des Piepersberg ist das Gewerbegebiet von einer kompletten Vermarktung weit entfernt.

Hoferichter: Es wäre ein Leichtes gewesen, sämtliche Flächen zu verkaufen. Aber wir haben Firmen etwa aus der Logistikbranche eine Absage erteilt: Sie verbrauchen viel Fläche, schaffen aber wenige Arbeitsplätze. Außerdem wollen wir auch immer noch Grundstücke für Firmen in Reserve halten, die innerhalb der Stadt verlagern wollen.