Eine andere Möglichkeit, als sein schweres Rückenleiden mit Heroin zu bekämpfen, sah der Angeklagte (25) angeblich nicht für sich. Auch eine Schmerztherapie beim Arzt habe ihm nicht geholfen. „Ich brauchte die Droge, um den Tag schmerzfrei durchstehen zu können“, erklärt er dem Wuppertaler Landgericht am nunmehr zehnten Prozesstag.
Mitangeklagt sind sein Vater (50), seine Oma (85), seine Freundin sowie ein Bekannter (beide 29). Die fünf sollen, in unterschiedlicher Beteiligung, in einen Drogenschmuggel im großen Stil verwickelt sein. Zwischen März 2008 und August 2009 gab es laut Anklage über 30 Kurierfahrten nach Holland - mit dem Ziel, Heroin, versteckt in Kaffeeverpackungen in Sporttaschen, über die Grenze zu schaffen.
Seinem Vater zuliebe will der Sohn das Risiko auf sich genommen haben, holländischen Kontaktmännern Geld zu bringen. Denn: Der 50-Jährige, der seit 36 Jahren abhängig ist, habe schwer krank daniedergelegen und nicht wie sonst selbst fahren können. „Er war hilflos, hatte Atemaussetzer.“ Es sei „tragisch“ gewesen, das mitansehen zu müssen. Auch sei damit die sichere Drogen-Quelle versiegt gewesen, „denn Heroin habe ich ausschließlich von meinem Vater bekommen“.
Geld für Drogen war angeblich in Frischhaltefolie verpackt
Der schlanke, groß gewachsene 25-Jährige fällt im Prozess dadurch auf, dass er sprichwörtlich ein „Dauergrinsen“ zur Schau trägt. Bei seiner Befragung vor Gericht spricht er mit fester Stimme, drückt sich gut aus. Obwohl auch er heroinabhängig ist, wirkt er körperlich fit und steht auf lässige, sportliche Kleidung.
Der Solinger erinnert sich an sechs Fahrten. Sein Vater habe ihn mit Geld und zwei Handys ausgestattet. In den Telefonen sollen die Nummern eines holländischen Kontaktmannes und die des mitangeklagten 29-Jährigen gespeichert gewesen sein. Die Drogen will der 25-Jährige dem Bekannten in einem Roermonder Einkaufszentrum übergeben haben, damit dieser den Stoff über die Grenze schmuggelt.
Auf einem „schlauen Zettel“ habe der Vater vermerkt, so der Angeklagte, für wen die eingekauften Drogen bestimmt waren. Weder über Abnehmer, weitere Kontaktmänner noch über die Höhe der Geldscheine, die er, in Frischhaltefolie verpackt, in der Tasche mit sich getragen habe, will der 25-Jährige Näheres gewusst haben. „Ich habe keine Fragen gestellt.“ Heroin habe er für den Eigenkonsum erhalten.
Am kommenden Prozesstag, 13. April, soll die 85-Jährige aussagen. Angekündigt war dies bereits für gestern, doch ihre Anwältin war erkrankt. cd
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