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06.09.2011 10:55
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Heidebad leer, Waldschenke voll

Das Ohligser Heidebad schließt heute seine Pforten, knapp zwei Wochen früher als in den Vorjahren. Nur rund 13 000 Besucher kamen in diesem Jahr, das sind gut zwei Drittel weniger als 2010, als noch knapp 40 000 Badegäste kamen. Auch das Waldschwimmbad in Hilden hat Einbußen hinnehmen müssen. „Wir werden die Zahl von 2010 nicht mehr erreichen“, sagt Sabine Müller, Sprecherin des Bad-Betreibers Stadtwerke Hilden, auf ST-Anfrage. Rund 120 000 Besucher wurden im letzten Jahr dort an der Kasse gezählt. 55 488 Besucher waren es am bisher letzten Zähltag (8. August). Ein paar tausend werden noch bis zum letzten Öffnungstag am kommenden Sonntag hinzugekommen sein.

Doch im Gegensatz zu Solingen ziehen die Nachbarn nach dem bescheidenen Sommer ein positives Fazit. „Aufgrund des schlechten Wetters sind wir mit den Zahlen sogar noch zufrieden“, sagt Sabine Müller – trotz einem Minus von 50 Prozent. Zufrieden vor allem deshalb, weil die Zahl der „Stammgäste“ stabil geblieben ist. So gab es keine Einbußen bei den Frühschwimmern. Das Bad öffnet an Werktagen bereits um 6.30 Uhr, samstags und sonntags um 9 Uhr. Das Ohligser Heidebad öffnete ab Beginn der Sommerferien an allen Tagen um 9 Uhr, vorher um 10 Uhr.

Verheerend aus Solinger Sicht fiel der direkte Vergleich aus der Vogelperspektive am vergangenen Samstag aus (siehe Fotos). An einem der schönsten Sommertage war das deutlich attraktivere Waldbad (Rutschen, Sprungtürme, Gastronomie) gut besucht, während das Ohligser Heidebad ziemlich verlassen war.

Schlechteste Quote im
bergischen Städtedreieck

Die Bilder und Zahlen bestätigen eine Expertise aus dem Jahr 2008, die die Stadt Solingen zum Thema Sportstätten-Planung in Auftrag gegeben hatte. Danach findet nur knapp die Hälfte (49,2 Prozent) der schwimmsportlichen Aktivitäten der Solinger auf Solinger Gebiet statt. Das ist die schlechteste Sport-vor-Ort-Quote im bergischen Städtedreieck.

Größere Auspendlerbewegungen gibt es nach Hilden, Burscheid, Leichlingen, Haan, Remscheid und Wuppertal. Das gilt sowohl für die Frei- als auch für die Hallenbäder. Hier stehen das Hildorado (Hilden), das H2O (Remscheid) und das Burscheider Bad ganz weit vorn in der Gunst. Solinger Schwimmer müssen für ihr Vergnügen weiteste Wege in Kauf nehmen. In Solingen sind Schwimmer durchschnittlich 8,7 Kilometer oder 18,7 Minuten unterwegs, während es in Remscheid lediglich 1,5 Kilometer (4,9 Minuten) oder gar 0,9 Kilometer (3,8 Minuten) in Wuppertal sind.

Heute Experten-Runde zur Zukunft der Bäderlandschaft

Aufgrund dieser Zahlen will Oberbürgermeister Norbert Feith die Familienbad-Diskussion neu beleben. „Schwimmen hat doch auch was mit Spaß zu tun, und ganz offensichtlich bieten die Solinger Bäder diesen Spaß nicht, sodass die Solinger in die Nachbarschaft fahren müssen“, sagte Feith dem ST im „Sommerinterview“. Für den Stadtchef wäre ein neues zentrales Familienbad die richtige Alternative, um hier ein bürgernäheres Angebot zu schaffen – zumal mit dem frisch erweiterten Klingenbad das Thema Schul- und Vereinsschwimmen weitestgehend abgedeckt werde.

Neue Erkenntnisse könnte schon heute der Workshop zur Bäderlandschaft bringen. Ab 13 Uhr kommt eine Runde aus Verwaltung, Politik und Sport mit Bäder-Experten zusammen, um „heiße Themen“ wie die Zukunft der Hallenbäder Vogelsang und Birkerstraße sowie ein Naturbad Heidebad zu diskutieren. sb., üb