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16.12.2011 17:58
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Hedderich-Pavillon: In 150 Sekunden alles vorbei

Gestern Morgen, Punkt acht Uhr: Plötzlich gießt es wie aus Kübeln, als wenn der noch dunkle Himmel über der Solinger Innenstadt unaufhörlich weinen muss. Es ertönt ein dumpfes Hupen: das Signal für den Baggerführer, den Motor seines Ungetüms anzuwerfen.

 

DATEN

PLANUNG Von 1954 bis 1960 plant Architekt Rudolf Berghaus den Pavillon, der aber erst 1961 fertig gestellt wird.

DENKMALLISTE 2004 wird der Verkaufspavillon wegen seiner Einzigartigkeit in die Denkmalliste aufgenommen. Er soll abgebaut und irgendwo in Solingen wieder aufgebaut werden. Der Bau zerfällt immer mehr – und er steht dem Hofgarten-Projekt im Weg.

ABRISS Auf Bitten der Stadt streicht der Minister im Oktober 2011 den Pavillon wieder aus der Denkmalliste.

Der tonnenschwere Baggerarm mit der unerbittlichen Betonschere fährt aus. Mit einer leichten Pendelbewegung zerstört er die klirrend in tausend Scherben zerberstenden Schaufensterscheiben. Dann knackt die Schere zwei weiße Betonpfeiler des Flachgebäudes, als wären sie aus Zuckerguss. Wie von Geisterhand geführt, packt jetzt die Schere das Flachdach und zieht es unerbittlich in die zehn Meter tiefe Baugrube: Das Gebäude stürzt bis auf die gemauerten Kellerwände hinterher.

Erst als die riesige Staubwolke langsam verfliegt, ist erkennbar: Der nach gerade einmal 150 Sekunden niedergelegte Hedderich-Pavillon ist nur noch Geschichte.

Dabei hatte das markante Gebäude mit seiner schräg gestellten Konstruktion aus Glas und Stahl jahrzehntelang das Stadtbild mitgeprägt – als Paradebeispiel für die Pavillon-Architektur des 18. Jahrhunderts, die nach 1950 eine Renaissance erlebte: meist in Trinkhallen, Zeitungs- und Fahrkartenverkaufsstellen.

„Der Hedderich-Pavillon war ein Symbol für Qualität in Solingen: Schnitt- und Topfblumen und außergewöhnliches Porzellan gab es hier“, sagt Arno Güttel (75). 31 Jahre war er Hausinspektor im Karstadt-Objekt. „Ich sehe den Abriss mit viel Wehmut.“ Auch Künstler Sascha Reichert ist unter den „Zaungästen“. Er hatte sieben Jahre lang seine Bilder im Pavillon ausgestellt: „Niemand wollte ihn haben. Jetzt ist er weg.“

Aber es gibt auch Befürworter des Abrisses. Ingo Dültgen (47) sagt an der tiefen Baugrube: „Ich bin hier, um ein Stück Baustaub der Geschichte zu schnuppern. Aber nun ist es gut so: Die Stadt spart viel Geld. Aber jetzt kommt etwas Neues – für ganz Solingen.“ hpm