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10.01.2012 11:12
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HPP bauen auf traditionelle Werte

Von Paul Andreas

Von der Jugendherberge bis zur Vollzugsanstalt und zum Luxushotel, vom Forschungslabor über Krankenhäuser bis zum Shoppingcenter – es gibt kaum eine Bauaufgabe, die die Düsseldorfer Architektengemeinschaft Hentrich Petschnigg und Partner nicht bereits gestemmt hätte.

GESCHICHTE

PERSONEN 1933 gründete Helmut Hentrich († 2001) ein Architekturbüro in Düsseldorf, das er ab 1935 in Arbeitsgemeinschaft mit Hans Heuser führte. Nach Heusers frühem Tod entsteht 1953 die Architektengemeinschaft mit Hubert Petschnigg († 1997), ab 1969 mit weiteren Partnern. Seit 1997 ist Joachim H. Faust geschäftsführender Gesellschafter des mittlerweile in vierter Generation geführten Unternehmens, seit 2002 zusammen mit Gerhard G. Feldmeyer.

Gerhard G. Feldmeyer ist schon seit über zwanzig Jahren mit dabei. Zusammen mit Joachim H. Faust und vier weiteren Partnern bestimmt er die Geschicke des Unternehmens. Mit rund 260 Mitarbeitern zählt HPP derzeit zu den größten Architekturbüros in Deutschland.

„Unser Ziel ist es, eine gewisse Schlagkraft zu haben“, erklärt Feldmeyer. Besonders im Ausland würden Büros gar nicht für voll genommen, wenn sie unter einer kritischen Größe von 200 Mitarbeitern blieben. Das Büro unterhält derzeit Niederlassungen in Shanghai, Washington und Sofia. Längst sind es dabei nicht mehr nur die Neubauten, die das Kerngeschäft ausmachen. Ob Lufthansa-Hochhaus und Schauspielhaus in Köln oder aber die Deutsche Botschaft in Washington – Instandsetzung und Revitalisierung werden immer wichtigere Arbeitsfelder.

Glasfassade des Thyssenhauses wird demnächst zweischalig sein

So erfolgt der zweite Umbau der Architektur-Ikone Dreischeibenhochhaus durch HPP. Dabei müssen nicht nur die gesamte Haustechnik und Teile der Erschließung verändert werden. Die den denkmalgeschützten Bau prägende Glasfassade wird zweischalig sein und mit einem außenliegenden Sonnenschutz versehen. Das Auge wird den Unterschied je nach Lichteinfall weniger oder stärker bemerken.

Für HPP, die mit dem Hochhaus 1960 auch international bekannt wurden, ist das kein Problem: „Die Flexibilität, die dem Gebäude innewohnt, bedeutet auch, dass es sich mit den Bedürfnissen weiterentwickeln kann“, erklärt Gerhard Feldmeyer. Auch die Denkmalbehörde habe das am Ende so gesehen.

Das andere große Betätigungsfeld sieht der 55-Jährige bei Projekten wie dem Vodafone-Campus. Der von HPP entworfene und derzeit ausgeführte Komplex in Heerdt ist eines der Paradebeispiele für die Zusammenführung verstreuter Konzernzweige an einem zentralen Hauptsitz. Zur Herausforderung wird neben immer dynamischeren Arbeitswelten ein nachhaltiges Architektur-Branding: „Wir entwickeln dort eine Corporate Identity für einen Nutzer, der die nächsten 30 Jahre von seinem Gebäude ausstrahlen möchte.“

 

PROJEKTE

ERFOLGE Der internationale Durchbruch gelingt HPP 1960 mit der Gestaltung des Dreischeibenhauses für Thyssen: Bereits zuvor entstehen in Düsseldorf wichtige Bauten wie das Drahthaus oder das Aluminiumhaus. Es folgen Projekte wie die Rank-Xerox-Hauptverwaltung und die IBM-Niederlassung. Später gestalten HPP den Victoria-Hauptsitz (heute Ergo) und nehmen den Umbau der Tonhalle vor. 2012 soll der Vodafone-Campus eröffnet werden.

Für ein viel kleineres Projekt ist das Büro kürzlich ausgezeichnet worden. Die zum Eurovision Song Contest temporär aufgebaute Schwarzkopf Light Box hat im Bereich Corporate Architecture einen der renommierten iF-Awards geholt.

Und doch zeichnen sich HPP weniger durch eine einheitliche Formen- und Materialsprache aus. „Was zählt, ist die Haltung. Wir legen viel Wert darauf, dass Gebäude dauerhaft aktuell bleiben und nicht kurzfristigen Trends folgen“, meint Feldmeyer. Wichtig sei es, die Grundprinzipien der Architektur zu beachten: „Kriterien wie Proportion, Maßstäblichkeit und die Integrität von Detail und Material sind uns sehr wichtig.“ Mit dieser Grundphilosophie fühlt sich Feldmeyer nicht zuletzt den Idealen der beiden Bürogründer Hentrich und Petschnigg stark verbunden.

Metall-Gewebe am Neumarkt als Bezug zur Klingenstadt

Auf große Zustimmung stieß auch ein erster Entwurf, den HPP für das geplante Einkaufszentrum am Neumarkt in Solingen entwickelt haben. Als Sonae Sierra im vergangenen Jahr MAB Development mit ins Investoren-Boot holte, liessen sie vom Düsseldorfer Büro auch die Pläne ihres Vorgängers HLG komplett überarbeiten. Der Entwurf, der vorübergehend auf der HPP-Internetseite zu sehen war, zeigt „ein komplexes Polygon, das im oberen Bereich von einer metallenen Fassade überspannt wird“. Vor allem das prägende Metall-Gewebe soll einen Bezug zur Schneidwaren- und Industrie-Tradition der Klingenstadt schaffen. HPP spricht von einem „höchst-transparenten Baukörper“, der durch seine Glasfassade kristallartig wirke. Im bewussten Kontrast dazu sollen vielfältige Begrünungen stehen, die der Optik eine weiche ökologische Note verleihen.

Ein Museum für den DFB entsteht am Dortmunder Hauptbahnhof

Eine der spannendsten und zugleich einmaligen Bauaufgaben, die HPP betreut, ist das Dortmunder DFB-Fußballmuseum. Bereits ab dem nächsten Jahr soll die expressiv zurechtgestutzte, von außen medial bespielbare Box gegenüber dem Hauptbahnhof entstehen. Gerhard Feldmeyer ist sich der Verantwortung, die damit auf seinem Büro ruht, bewusst: „Ich gehe mal davon aus, dass es eines der bestbesuchten Museen in Deutschland werden wird.“