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22.09.2007 21:04
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Grüne kämpfen für die alten Bäder
„Die wollen uns verschaukeln“, ereifert sich Grünen-Fraktionssprecherin Martina Zsack-Möllmann über das Bädergutachten. „Man wird regelrecht für dumm verkauft“, meint Parteifreund Manfred Krause aus der Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid. Nicht ein gutes Haar lässt die Oppositionspartei an den vorgelegten Zahlen. Es ist von einem „Gefälligkeitsgutachten“ die Rede, dem es an Seriosität fehle. Nicht zuletzt, weil die beauftragte Firma WaterVisions selbst Bäder baue. Das Eigeninteresse an einem neuen Kombi-Bad in Solingen sei offenkundig.

Genau dieses zu bauen, empfiehlt WaterVisions. Dafür soll die Stadt ihre Frei- (Ittertal, Heide, Schellbergtal) sowie zwei Hallenbäder (Ohligs, Vogelsang) schließen. Das Unternehmen folgt damit dem Plan, den die Mehrheit aus CDU und SPD entwickelt hat. Nach Meinung von Birgit Evertz, Sport-Sprecherin der Grünen, stinkt das zum Himmel. Denn die Szenarien des Gutachtens beschränkten sich einseitig auf diese Ideen. „Andere Vorschläge werden nicht zugelassen.“

Folgerichtig werde das wesentlich umfassendere Bäderkonzept der Stadt zurückgehalten, auf dem das WaterVisions-Gutachten basiere. Ganz zu schweigen von der umfassenden Studie, in dem das Büro Krieger 2001 die Solinger Bäderlandschaft beurteilt habe. „Auf diese Weise wird fälschlich suggeriert, alle Bäder seien marode und die einzige Lösung liege in Schließungen“, kritisiert Martina Zsack-Möllmann.

Notfalls auch ein Bürgerbegehren

Für „die schlechten Berechnungen“ sowie die „fehlende Fachkompetenz“ ziehen die Grünen mehrere Belege heran: So werde das dezentral gewachsene Solingen bei den vermeintlich schlechten Besucherzahlen fälschlicherweise mit echten Großstädten verglichen. Krause: „Das ist Blödsinn.“ Zudem blieben erhöhte Eintrittspreise und gesenkte Kosten der vergangenen Jahre bei den wirtschaftlichen Kennzahlen ebenso unberücksichtigt wie größere Investitionen (etwa am Vogelsang). Und dann die Folgekosten: „200 000 Euro Zuschuss für das Ittertal – welches Bad kommt damit aus?“, fragt Krause. „Machen wir das platt, ist nicht nur die Eisbahn weg. Dann verlieren wir auch die 50 oder 100 Leute, die dort jährlich über Beschäftigungsmaßnahmen aus der Arbeitslosigkeit geholt werden.“

Im Gegenzug würden die Investitionskosten geschönt. „Entsteht ein Kombi-Bad im Westen Solingens und fällt dafür alles andere weg, steigen die Schülerfahrtkosten enorm“, sagt Birgit Evertz. Von der Belastung für die Stadt bei einem 29-Millionen Euro-Projekt ganz zu schweige – selbst wenn ein Investor baue.

Evertz missfällt auch, dass ein Kombi-Bad die Pläne der Lebesnhilfe torpediere, das Birker Bad zu übernehmen – weil Konkurrenz entstehe. Der Vorschlag der Grünen steht deshalb: Das Heidebad schließen, die Klingenhalle ausbauen und den Rest lassen, wie er ist. Für diesen Kurs wollen sie Vereine, Schulen und Wähler gewinnen – notfalls vielleicht auch über ein Bürgerbegehren. kra

Das komplette Bäder-Gutachten finden Sie im Internet unter www.solinger-tageblatt.de