„Ich habe die Sorge, dass ein ,Weiter so’ ein Sterben für beide Orchester bedeuten würde“, betont Beate Wilding, die Oberbürgermeisterin von Remscheid. Deshalb ist sie froh, dass das gestrige Gespräch mit dem Staatssekretär Klaus Schäfer neue Denkanstöße gegeben hat. Diese sollen jetzt erst einmal mit dem Wuppertaler Oberbürgermeister Peter Jung und innerhalb der Arbeitsgruppe, die sich mit einer möglichen Fusion des Wuppertaler Sinfonieorchesters mit den Bergischen Symphonikern beschäftigt, besprochen werden. „Im nächsten Gespräch mit dem Kulturministerium werden wir die Ideen weiter vertiefen“, ergänzt Solingens Oberbürgermeister Norbert Feith. „Ich begrüße, dass es heute keine Absage vom Land für eine Unterstützung des weiteren Prozesses gegeben hat.“ Alfred Lobers, der als Leiter der Finanzen von Wuppertal an dem Gespräch in Remscheid teilgenommen hat, sagt: „Das Gespräch war sehr offen.“ Es sei aber nicht auf die Frage zugespitzt worden, ob das Land Geld gibt für die Mehrkosten, die die Fusion der beiden Orchester in den ersten Jahren laut dem Gutachten der Unternehmensberatung Actori GmbH erforderlich macht. Im Gespräch sei es um die Rahmenbedingungen gegangen und um die allgemeine Frage, wie viel Kultur das Land wolle.
Der kulturpolitischen Bedeutung des Städtedreiecks Rechnung tragen
Der zuständige Staatssekretär aus dem Kulturministerium des Landes NRW, Klaus Schäfer, betont: „Das Land ist interessiert an einer Lösung, die der kulturpolitischen Bedeutung des Städtedreiecks Rechnung trägt.“ Das Gespräch habe einer ersten Sondierung zu den vom Gutachten vorgeschlagenen Lösungsansätzen gedient. Die Diskussion zu Handlungsmöglichkeiten für eine Bergische Kulturkooperation, so der Staatssekretär, sollte vor dem Hintergrund des Stärkungspakts Stadtfinanzen und der Kulturförderung geführt werden.
In diesem Zusammenhang ist es für Oberbürgermeister Norbert Feith in den kommenden Wochen spannend zu sehen, welche Auflagen mit dem Rettungsschirm des Landes verbunden sein werden und ob das der Diskussion neuen Anschub gibt. Er betont: „Es ist kurzsichtig zu glauben, dass sich etwas ändert, wenn man sich nicht bewegt.“
Das Kulturgutachten von „Actori“ wurde Kulturpolitikern und der Öffentlichkeit Anfang Februar vorgestellt. Geplant war ursprünglich, dass eine politische Entscheidung noch vor dem Sommerurlaub getroffen werden sollte. Das zerschlug sich, weil sich in den Städten Widerstand gegen eine Fusion gebildet hatte. Hauptknackpunkt: die Mehrkosten von 2,3 Millionen Euro. Sie entstünden dadurch, dass laut Actori-Empfehlung die Gehälter der Bergischen Symphoniker an die A-Tarif-Gehälter des Wuppertaler Sinfonieorchesters angeglichen werden müssten. Nun hoffen die OB weiter auf Unterstützung vom Land.