Die emotionalen Wellen schwappten hoch, als am Freitagmorgen die Frühschwimmer an der Sauerbreystraße ihrem Bad die letzte Ehre erwiesen. Ernst Breuer zog mit schwarzer Krawatte seine Bahnen, am Beckenrand warteten Kanapees und Sekt, und auf einem Schwimmbrett trieben Teelichter zwischen den Trauernden.
Für die 92-jährige Liesel Meyer, die seit 50 Jahren, anfangs täglich, zum Morgenschwimmen kam ist die Schließung schwer zu begreifen. „Das ist so traurig. Man tut das ja auch für die Gesundheit.“ Lore Kolinski (83) regt sich auf: „Ohligs wird systematisch kaputt gemacht.“ Die Klingenhalle – für sie keine Alternative. „Da stören wir nur, wenn wir töttern wollen. Hier war man daran gewöhnt und schwamm eben einen Bogen um uns.“ Andere wollen in Zukunft nach Hilden oder Haan ausweichen.
Beate Globisch, die als OTV-Mitglied das Frühschwimmen seit Jahren beaufsichtigt, geht die Schließung ebenso nahe, auch wenn sie über die empörten Äußerungen der älteren Damen schmunzeln muss. „Die sind ja nicht umsonst so fit in ihrem Alter.“ Ans Geländer der Empore haben die Schwimmer ein Bettuch mit ihren Unterschriften und der Aufschrift „Goodbye Sauerbrey“ gehängt. Der Salzgehalt des Wassers wird an diesem letzten Morgen wohl um ein paar Promille gestiegen sein.
Alternativen für Frühschwimmer derzeit nur im Vogelsang
Die Frühschwimmer wehrten sich bis zuletzt gegen die Schließung des Bades. Noch Anfang des Monats schrieben sie an Oberbürgermeister Norbert Feith – ergebnislos. Am Freitag schlossen sich die Pforten. Jetzt heißt es ausmisten und stilllegen an der Sauerbreystraße. „Vom Schrubber bis zur Technik kommt alles Verwertvare ist ins Vogelsang“, so Stadtsprecherin Sabine Rische. Das Wasser wird abgelassen.
Alternativen fürs Frühschwimmen bietet das Hallenbad Vogelsang (dienstags bis freitags ab 6.30 Uhr) und ab September das Klingenbad. dt, cbi