Die Stadt ist finanziell abgebrannt. Eine Folge: Der geplante und vom Rat bereits abgesegnete Neubau einer neuen gemeinsamen Wache für die Freiwilligen Löschgruppen 3 (Mangenberg) und 4 (Merscheid) - Kosten: zwei Millionen Euro - wurde vom Regierungspräsidenten wegen der miserablen Haushaltslage der Stadt gestoppt. Dies löst riesigen Unmut und Frust vor allem bei den 18 aktiven freiwilligen Wehrleuten in Merscheid aus. Inzwischen sprechen Mitglieder offen darüber, „die Brocken hinzuschmeißen“ und die Löschgruppe zum Jahresende aufzulösen.
„Wir stehen wieder einmal völlig im Regen“, resümiert Löscheinheitsführer Thomas Helden. Bislang sind die Merscheider - ihre Löschgruppe besteht seit 118 Jahren - in Limminghofen in angemieteten Räumen untergebracht. Hier ist auch ihr Schulungsraum. Ihre Löschfahrzeuge stehen jedoch aus Platzgründen in der gut drei Kilometer entfernten Ohligser Wache der Berufsfeuerwehr an der Brunnenstraße sowie an der Hildener Straße auf dem Gelände der Ohligser Löschgruppe.
„Seit 30 Jahren werden wir von der Stadt immer wieder vertröstet. Nun ist unsere große Hoffnung auf die neue Wache an der Grimmstraße auf den letzten Metern gestorben“, sagt Helden. Er spricht von „großem Frust“.
Das Ende der Merscheider Löschgruppe - so ist man sich im Stadtfeuerwehrverband einig - wäre ein herber Verlust für die gesamte Feuerwehr in Solingen. Aber ein Hoffnungsschimmer bleibt noch: Am Dienstagabend traf sich Ordnungsdezernent Robert Krumbein mit den betroffenen Löschgruppenführern und brachte „konkrete Vorschläge“ mit: Die Merscheider sollen komplett zur Brunnenstraße wechseln. Dort ist zwar auf dem Wachgelände kein Platz, aber es könnte in einem angrenzenden Wohnhaus eine große Wohnung angemietet und umgebaut werden. „Ob das klappt, müssen noch Prüfungen in den nächsten 14 Tagen ergeben“, so Krumbein. „Ich weiß nicht, ob sich unsere Mitglieder damit anfreunden können“, war Helden skeptisch. Denn gestern Abend - die Sitzung dauerte bei Redaktionsschluss noch an - sollte über das weitere Vorgehen entschieden werden: „So oder so.“
Krumbeins Vorschlag für die Löschgruppe Mangenberg: Die bestehende Wache an der Viehbachtalstraßen-Ausfahrt - die Gebäude gehören der Stadt - soll in den nächsten zwei Jahren saniert werden. „Wir lassen die Kosten umgehend vom Gebäudemanagement ermitteln“, sagt der Ordnungsdezernent.
Gebäude der Wache Mangenberg: Sanierungskosten von 150 000 Euro?
Mangenbergs Gruppenführer Hans-Joachim Krapp gegenüber dem ST: „Mit der seit 15 Jahren überfälligen Generalsanierung könnten wir gut leben. Nur sie muss bald kommen.“ Krapp schätzt die Kosten dafür auf rund 150 000 Euro.
Die Walder Löschgruppe 7 an der Raffaelstraße könnte nach Krumbeins Plänen auf das Walder Gelände der benachbarten Berufsfeuerwehr umziehen. Durch eine Vermarktung des städtischen Gebäudes an der Raffaelstraße wäre dies finanzierbar. Über den Standort neuer Räume der Walder Jugendfeuerwehr ist noch nicht gesprochen worden. Endlich eine vernünftige Toiletten-Anlage soll die Löschgruppe 2 in Rupelrath erhalten. hpm