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24.11.2011 03:00
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Freiheitstor für Freiheitsredner

Von Uli Preuss

Ein Freiheitstor für den Freiheitsredner. Wenn die Feinkostfirma Hitzegrad am Abend Rinderroulade und Kottenbutter auflegt, wacht über allem das Brandenburger Tor. Das überdimensionale Bild aus Berlin hängt zwar ebenso wie die Leipziger Semper-Oper auch sonst im Theater und Konzerthaus, könnte aber dem diesjährigen „Schärfste Klinge“-Preisträger Joachim Gauck kaum gerechter werden.

Der stammt von der Ostsee, und Mitorganisator Klaus-Peter Voigt freut sich, mit Binzer Räucherlachs auch noch einen kulinarischen Gruß aus Gaucks Heimat gefunden zu haben. Denn nur beim berühmten Rostocker Kümmelschnaps wolle man es nicht belassen, ist zu hören. Serviert wird ein deutsches Büfett, dem Anlass entsprechend. 600 Gäste werden nach der Verleihung im Foyer gastlich bewirtet.

„Alle werden sich richtig wohlfühlen“, ist sich Technikleiter Voigt sicher. Das beginnt mit einem Sektempfang rund um das angestrahlte „Goldene Buch der Stadt“, geht weiter mit Stuhlreihen, die, keilförmig und großzügig gestellt, auch den Kamerateams störungsfreies Filmen erlauben, und endet mit gelb-blauem Blumenschmuck in Saal und Foyer. Pfiffig waren sie im Theater immer schon. 2005 servierten die Organisatoren bei der Verleihung an Lothar Späth einen „Späth-Burgunder“. Der clevere Baden-Württemberger war es auch, der die Macher zum ersten und letzten Mal ins Schwitzen brachte, weil er sich verspätete.

Für Macher Erwin Kohnke
ist es die 11. Klingen-Verleihung

Für den versierten Theatermacher Voigt ist es die 10. „Klinge“, getoppt wird er nur noch von Erwin Kohnke. Der war bereits 1978 bei der ersten Preisverleihung an den Luxemburger Politiker Gaston Thorn dabei und hat seitdem als Organisator keine „Klinge“ verpasst. Spannend könnte es für Kohnke noch werden, wenn es für Laudator Jean- Claude Juncker zu knapp wird. Die Eurokrise geht vor, und der Preisträger 2008 wird wie bei der eigenen Verleihung Minuten nach der Veranstaltung abreisen.

Joachim Gauck will dagegen zwei Tage in Solingen bleiben. Am Freitag trifft er sich mit über 70 Schülern im Kunstmuseum. Sogar vier Schülerinnen aus der Partnerstadt Aue reisen an. Das Programm rund um die Preisverleihung ist attraktiver als je zuvor und dauert bereits eine Woche.

Joachim Gauck wird mit Partnerin Daniela Schadt am Mittag vom Bahnhof abgeholt. Dann geht's in den Gräfrather Hof. Unter 77 Zimmern könnte der prominente Gast wählen, doch es ist kein Geheimnis, dass man den Ehrengast in eine der vier neuen Suiten einlädt. So leise wie der sympathische Preisträger mit der Bahn heranrollt, so unauffällig wird er am Freitagmittag wieder fahren. Dann geht's weiter zu einer Lesung nach Sindelfingen.