Ein radikale Lösung bahnt sich für die Solinger Bäderlandschaft an. Um sich vom millionenschweren Modernisierungsstau sowie den gewaltigen Betriebskosten zu befreien, will die Stadt voraussichtlich folgenden Ausweg wählen: Die Freibäder im Schellbergtal, in der Heide und im Ittertal sowie die Hallenbäder in Ohligs, an der Birkerstraße und am Vogelsang sollen aufgegeben werden. Ersatz soll der Neubau eines kombinierten Frei- und Hallenbades im Großraum Ohligs liefern.
Dies ist nach ST-Recherchen die Empfehlung eines Bädergutachtens, über das der Vorstand der Stadtverwaltung am kommenden Dienstag beraten wird. Zwar will derzeit noch niemand offiziell Stellung beziehen, aber dem ST ist von der Rathausspitze bestätigt worden, dass es sehr wahrscheinlich auf diese Lösung hinausläuft.Seit Ende vergangener Woche liegt das Gutachten der Firma WaterVision vor. Das Unternehmen sitzt in Gleichen bei Göttingen und hat bereits diverse Bäderanalysen für Kommunen angefertigt, zuletzt in Köln. Mehrfach hat sich Dr.-Ing. Günter Fehr die Standorte in Solingen angesehen. Und obwohl er derzeit noch nichts zum Inhalt seines Gutachtens sagt, verrät er dem ST zumindest so viel: „Die Bäder sind ziemlich marode. Es wird sehr teuer, wenn man alle saniert.“ Von über 20 Millionen Euro ist in Solingen die Rede. Zumindest dann, wenn es darum geht, die Anlagen in zeitgemäßen Zustand zu bringen.Kämmerer und Sportdezernent Ernst Schneider (CDU) spielt auf Zeit. Es sei noch zu früh für ein Urteil. Der Gutachter habe eine Handvoll Alternativen geprüft. Offenbar sind dabei von der Totalsanierung bis zur Komplettschließung alle Zahlen gegenübergestellt worden. Den generellen Kurs gibt Schneider aber bereits vor: „Das neue Modell muss Spareffekte bringen.“ Und es muss die Kommunalaufsicht überzeugen. Mit Argusaugen schaut die Bezirksregierung den Solingern wegen der enormen Verschuldung auf die Finger. Allein in diesem Jahr macht die Stadt rund 60 Millionen Euro neue Miese. Die Kosten müssten runter, fordert deshalb Düsseldorf.„Wenn die Zahlen überzeugen, bin ich für diesen Weg“Ein neues Bad scheint daher nur über einen privaten Investor finanzierbar. Wo genau es entstehen könnte, verrät das Gutachten laut Schneider nicht. Obwohl der Westen der Stadt im Blickpunkt liegt, soll auch über Höhscheid nachgedacht worden sein. Das Flächenangebot in der Stadt ist begrenzt, weil mehrere Zehntausend Quadratmeter gebraucht werden. Vor allem für ein offenbar favorisiertes Kombibad (Innen- und Außenbecken). Nur dieses rechnet sich nach Ansicht von Fachleuten heute noch.Für Ernst Lauterjung deutet sich das Kombibad als die Lösung für Solingen. „Wenn die Zahlen überzeugen, bin ich für diesen Weg“, sagt der SPD-Fraktionschef und Sportausschussvorsitzende. CDU-Chef Fabian Kesseler haut in dieselbe Kerbe. Die Union hat aus ihrer Vorliebe für diesen Plan keinen Hehl gemacht. Die Experten in- und außerhalb des Rathauses werden noch deutlicher: Sie glauben, dass der Stadt aufgrund der Finanzlage und wegen des desolaten Zustands der Bäder keine andere Wahl bleibt. kra » Guten Morgen