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30.01.2009 08:56
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Experten: „Alte Bäder sind nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben“
Bisherige Berichterstattung: http://solinger-tageblatt.de

Von Thomas Kraft

„Das ist eine tickende Zeitbombe“. Uwe Rosjat spricht vom Zustand der Solinger Bäder. Rosjat gilt im Rathaus als Experte und trägt seit Jahren Zahlen und Fakten zusammen. Kein neues Gutachten oder Konzept entsteht ohne ihn. Auf 37 Millionen Euro beziffert der Verwaltungsmann den aktuellen Sanierungs- und Modernisierungsstau. Der steigende Zuschussbedarf der Stadt betrage inzwischen 3,7 Millionen Euro jährlich. Um 30 Prozent seien zuletzt allein die Energiekosten gestiegen. „Das macht sich katastrophal bemerkbar.“ Zumal die Bäder miserabel gedämmt sind. „Wir heizen zum Fenster raus. Draußen ist es wärmer als drinnen.“ Hinzu kommen Wartungs- und Personalkosten.

Gleichzeitig vergraulen die altersschwachen Bäder mit ihrem überholten Angebot und Ambiente die Besucher. 115 000 zahlende Gäste waren es 2008. Die Einnahmen decken nur noch zwölf Prozent der Ausgaben. Jeder Solinger geht im Schnitt weniger als einmal pro Jahr in eines seiner Schwimmbäder. Eine andere Statistik sagt es noch krasser: 51 Prozent der Solinger, die ein Schwimmbad besuchen, tun dies außerhalb. Angesichts dieser Zahlen folgert Rosjat: „Wenn wir mit einem Teil der alten Bäder weitermachen, wird es für die Stadt am teuersten.“ Denn der Erfolg stehe und falle mit den Einnahmen, und die seien mit den vorhandenen Standorten nicht nennenswert zu steigern.

Noch Anfang des Jahrzehnts kamen 240 000 Besucher in die Bäder

Rosjats Einschätzung deckt sich mit der von Gutachter Dr. Alexander von Erdely von CB Richard Ellis. Die Firma hat eine Marktabfrage für das geplante Kombi-Bad durchgeführt. Voraussetzung für die Idee: Gleichzeitig schließen die Hallenbäder Ohligs und Vogelsang sowie die Freibäder in der Heide, im Ittertal sowie im Schellbergtal. Für das Birker Bad wird eine Übernahme durch die Lebenshilfe angestrebt.

Von Erdelys Philosophie ist simpel: „Private Betreiber wollen nicht vorrangig ihre Kosten senken, sondern die Einnahmen erhöhen.“ Das gelinge nicht mit den Schwimm-, sondern mit Zusatzangeboten(Sauna, Wellness).

Von Erdely sieht für ein Solinger Kombi-Bad das Potenzial von 250 000 bis 300 000 Besuchern pro Jahr. Rosjat nennt die Schätzung realistisch. Noch im Jahr 2000 habe Solingen in seinen Bädern 240 000 Besucher gezählt.

Von Erdely versichert, die Besucherprognose sei seriös ermittelt. Sie genüge, um den städtischen Zuschuss - auch ein privater Kombi-Bad-Betreiber benötigt einen Beitrag der Stadt - pro Jahr um fast eine Million Euro zu senken. Den Investitionsstau wäre das Rathaus durch die Aufgabe vieler alter Standorte los.

Möbelt die Stadt alte Bäder auf, oder zumindest einen Teil davon, ist laut Rosjat und von Erdely wenig gewonnen. „Sie sind dann zwar wieder intakt, aber kaum attraktiver. Man lockt keinen Besucher mehr. Denn man merkt nichts davon.“ Was an Betriebskosten wegfalle, kehre über Finanzierungskosten zurück.

Die verschiedenen Bäder-Modelle der Opposition zielen je nach Variante darauf ab, Ittertal, Vogelsang oder auch das Hallenbad Ohligs zu sanieren oder gar auszubauen. Rosjat: „Um das so zu machen, dass dann mehr Leute kommen, muss man mindestens 20 Millionen Euro hineinstecken. Das rechnet sich nicht.“