Politische Feuertaufe für ein 100-Millionen-Euro-Projekt: Der Investor HLG Projektmanagement und das Architektenbüro HPP stellten gestern Abend in einer gemeinsamen Sitzung des Stadtplanungsausschusses und der Bezirksvertretung Mitte ihre Pläne für ein Einkaufszentrum auf dem Karstadt-Grundstück vor. Wie berichtet, will HLG die alten Gebäude zum Jahresende abreißen und bis 2010 den „Hofgarten“ mit rund 18000 m² Verkaufsfläche errichten. Christian Diesen, einer der Geschäftsführer, appellierte an die Politiker, möglichst schnell Baurecht zu schaffen.
Auch wenn gestern noch keine Entscheidungen fielen – die meisten Fraktionen ließen grundsätzliche Zustimmung erkennen. „Das ist eine Chance für die Zukunft“, erklärte Ulrich Hohn (FBU). „Wir sind im Vergleich zu Nachbarstädten schon spät dran!“ Bezirksvorsteherin Eva Nagy (CDU) forderte, „optimistisch in die Hofgarten-Zukunft“ zu schauen. Das HLG-Engagement spreche für den Standort Solingen und stärke die Händler am Neumarkt, betonte Arne Moritz (CDU). Friederike Sinowenka (SPD) wies auf die drohende Alternative zum Neubau hin – auf Jahre hinaus verwaiste Gebäude nach der bereits verkündeten Schließung des Karstadt-Warenhauses zum 31. August. Wie Moritz drückte die SPD-Frau allerdings ihre Sorge um andere Innenstadt-Geschäfte aus, besonders an der Unteren Hauptstraße und in den Clemens-Galerien. Der neue Einkaufstempel wird die Verkaufsflächen der Innenstadt um 10 bis 15 Prozent vergrößern. Mit weniger als 18000 m² wolle HLG aber nicht an den Start gehen, machte Geschäftsführer Diesen klar. Sonst habe der „Hofgarten“ zu wenig „Strahlkraft“, um genügend attraktive Anbieter anzulocken.80 Millionen Euro Jahresumsatz erwartet: „Belebung für andere“HLG rechne mit einem Jahresumsatz von 80 Millionen Euro. „Ein solches Einkaufszentrum belebt das Umfeld“, sagte Diesen, leugnete aber auch nicht, dass es „Sortimentsüberschneidungen“ geben werde: „Einzelhandel bedeutet eben Wettbewerb.“ Der Erfolg des Zentrums werde zu Lasten von Clemens-Galerien, Unterer Hauptstraße und Entenpfuhl gehen, argumentierte Sigurd Bickenbach (FDP). Der „Hofgarten“ sei zu groß.Bickenbachs Parteifreund, der Ausschuss-Vorsitzende Stefan Pistor, hielt dagegen: „Die Alternative wäre Leerstand.“ Auch die Grünen fürchten einen „massiven Verdrängungswettbewerb“. Dietmar Gaida kritisierte außerdem, dass der Hedderich-Pavillon weg soll: „Denkmalschutz scheint in Solingen ohne Bindungswirkung zu sein, sobald ein Investor kommt.“ Darüber wird im Bebauungsplanverfahren entschieden. In der nächsten Sitzung gibt der Ausschuss den Startschuss und berät den Beschluss zur frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung. ab