Die zunächst von der deutschen Bahn AG gemeldete Teilsperrung der Müngstener Brücke für Güterzüge über 100 Tonnen und die plötzliche Kehrtwende sorgen weiterhin für erhebliche Irritationen. Nach wie vor offen ist dabei die Frage, wie marode oder - aus der Sicht der Bahnreisenden - wie sicher die mit 107 Metern höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands eigentlich noch ist?
Mit „großem Unverständnis“ reagiert Thomas Wängler von der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid (IHK). Der Fachbereichsleiter Verkehr: „Es ist nicht mehr nachvollziehbar, wie die Deutsche Bahn mit der Öffentlichkeit umgeht.“ Es habe zwar schon seit langem Signale von der DB gegeben, dass die Brücke dringend sanierungsbedürftig sei. „Darum habe ich die von der Bahn zunächst bestätigte Teilsperrung der Brücke mit erheblichen Beschränkungen für den Güterverkehr auch nachvollziehen können.“
Doch wiederholte Nachfragen bei der Bahn hätten ergeben, dass es weder Beschränkungen seitens des Eisenbahnbundesamtes noch der Bahn selbst gebe und auch nie gegeben habe. Dies sei ihm nochmals gestern von einem verantwortlichen Ingenieur der DB bestätigt worden. „Auch eine IHK-Umfrage unter den am Bahn-Güterverkehr angeschlossenen Firmen entlang der Müngstener Strecke hat erbracht, dass - entgegen der offiziellen Verlautbarung der DB gegenüber Medien - keine Beschränkungen angeordnet worden sind.“
Wängler ungehalten: „Etwas stimmt da nicht, zumindest nicht in der Informationspolitik der Bahn. Ich werde mich um Klärung bemühen - bei Fachleuten. Es muss Klarheit her.“
Die Stadt Solingen sei von der Bahn nicht informiert worden, berichtete Planungsdezernent Hartmut Hoferichter gestern im Hauptausschuss des Rates. Aus den Fachbereichen des Unternehmens gebe es inzwischen „unterschiedliche Stellungnahmen“. „Zuletzt deuteten sie darauf hin, dass es an der Brücke keine größeren Einschränkungen gibt“, erklärte Hoferichter. „Das haben wir aber nicht schriftlich.“ Auch Bernd Krebs ist angesäuert. „Das ist typisch für die Informationspolitik der Bahn“, sagt der CDU-Politiker, der als Solinger Vertreter in der Verbandsversammlung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr sitzt. Das Unternehmen habe sich offenbar „noch nicht von seiner Vergangenheit als Staatskonzern gelöst“.
„Wir haben ein großes Interesse an einer voll funktionsfähigen Müngstener Brücke“, betont Sven Wiertz, Sprecher der Remscheider Oberbürgermeisterin. Aktuelle Informationen über den tatsächlichen Brückenzustand seitens der beteiligten Behörden und der Deutschen Bahn lägen bislang auch der Stadt Remscheid nicht vor. hpm/ab