Den Abriss des Turmzentrums verfolgt Arno Güttel fast jeden Tag. Und er dokumentiert ihn mit Fotos, die er macht. Aufgeschrieben hat er auch 31 Jahre seines Lebens als Hausinspektor des Turmzentrums. Er arbeitete dort vom 1. Juli 1970 bis zum 31. August 2001. „Ich kann mich noch gut an meine Fahrten mit Dr. Joachim Pirschner erinnern“, erzählt Arno Güttel. „Wir haben viele Städte besucht. Über deutsche Grenzen hinaus war das Einkaufszentrum in der Klingenstadt, das von ihm und dem Solinger Architekten Kurt Baden entwickelt wurde, eines der modernsten und attraktivsten.“ Besonders die Turmpassage habe auch viele Gäste nach Solingen gelockt. „Für mich geht jetzt mit der Sprengung des Turmes ein stadtbildprägendes Wahrzeichen verloren“, betont Arno Güttel.
Mit Schweinshaxe, Eisbein und Sauerkraut wurden die Gäste im Löwenbräu in der Turmpassage verwöhnt. Die Gaststätte brachte ebenso wie das Monopol-Kino auch abends noch Leben in den Untergrund. 2744 Quadratmeter standen dort für 29 Nutzer zur Verfügung. Wer erinnert sich noch an Polster Richter in der Passage? Auch bei Karstadt konnten Interessenten bis 1992 Kleinmöbel kaufen.
Arno Güttel ist die 388 Treppenstufen im Turm oft gegangen. Dort lebte er auch mit seiner Frau im vierten Obergeschoss. Die Müllers aus Widdert eröffneten ein Café mit der Hotel-Rezeption in der 11. Etage am 7. April 1975. In der 12., 13. und 14. Etage waren die Hotelzimmer untergebracht. „Das war ein toller Blick, den man beim Kaffeetrinken genießen konnte“, erinnert sich der ehemalige Hausinspektor. Er erinnert sich aber auch daran, dass zwischenzeitlich die Stadt, aber auch das Finanzamt Mieter im Turm-Gebäude waren.
Über 700 Angestellte hatte Karstadt in seinen Anfängen in Solingen
Über 700 Menschen waren bei Karstadt Solingen in den ersten Betriebsjahren angestellt. Zum 25-Jährigen waren es 300 Mitarbeiter, beim 30-Jährigen zählte das Team 250 Köpfe und als Karstadt schließlich seine Türen Ende August 2008 für immer schließt, sind es 120 Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Und auf keinen Fall dürfen die vergessen werden, die in den Geschäften der Turmpassage und im Hotel und in den Betrieben im Turmzentrum eine Arbeit gefunden hatten.
Die Hiobsbotschaft, dass Karstadt Solingen aufgegeben werden soll, ereilte die Stadt im April 2006. Da hieß es, dass das Haus zum 31. Dezember schließen soll. Und das rief die Solinger auf den Plan: Der Betriebsrat übergab 16 231 Unterschriften von Bürgern. Die Galgenfrist wurde noch bis August 2008 verlängert.