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Drogenprozess: Sechs Jahre Haft für Seniorin?
Wenn es nach der Staatsanwältin geht, muss die Merscheiderin (85) mit der adrett frisierten Kurzhaarfrisur für rund sechs Jahre in Haft – falls sie die Anklagevorwürfe zugibt. Doch dazu äußert sich, zumindest vorerst, keiner der fünf Angeklagten vor dem Wuppertaler Landgericht. Am Dienstag war zweiter Prozesstag. Weltweit sorgt der Fall um Deutschlands wohl älteste mutmaßliche Dealerin für Schlagzeilen: Die 85-Jährige soll mit ihrem Sohn (50), ihrem Enkel (28) sowie einem an den Rollstuhl gefesselten Bekannten (29) zwischen März 2008 und August 2009 in unterschiedlicher Besetzung Heroin aus Holland nach Solingen importiert, gelagert und verkauft haben. Zuletzt handelten sie laut Anklage banden- und gewerbsmäßig. Die Freundin des Enkels (28) soll ihnen geholfen haben. Ein Ermittlungskommission der Polizei („EK Rente“) observierte die fünf Solinger tagelang.
Als „Pokerpartie“ wertet der Vorsitzende Richter das derzeitige Schweigen der Fünf. „Ein Geständnis am Anfang ist höher zu gewichten als bei fortschreitender Beweisaufnahme“, erklärt er. Die Staatsanwältin sieht bei einem Geständnis für den Sohn etwa elf, den Enkel neun bis neuneinhalb, den 29-Jährigen etwa siebeneinhalb und die 28-Jährige zweieinhalb bis drei Jahre Haft vor. „Unsere Mandantin will grundsätzlich aussagen“, sagt ein Anwalt der Seniorin. Sie sei in einer „emotionalen Zwangslage“ und „nervlich angeschlagen“, da auch Sohn und Enkel angeklagt sind. Aussagen will sie nur über ihre beiden Verteidiger, „selbst fühlt sie sich dazu außerstande“. Eine rund elfjährige Haftstrafe empfinden die zwei Verteidiger des 50-Jährigen, der seit 30 Jahren Heroin nimmt, als „viel zu hoch“. Der Mann habe unter hohem „Suchtdruck“ gestanden. Nur der 29-Jährige sagt aus. Laut Staatsanwaltschaft war er als Kurier im Einsatz, nimmt aber nach eigenen Aussagen keine Drogen. Nach einem schweren Schicksalsschlag sitzt er seit acht Jahren im Rollstuhl, hat erhebliche körperliche und seelische Probleme. „Meine Lebenserwartung liegt nur noch bei fünf bis maximal sieben Jahren“, sagt der Invaliden-Rentner. Der Prozessauftakt war geplatzt, weil er aus gesundheitlichen Gründen nicht erschienen war. Vor Gericht sitzt er in einem gepolsterten Spezialrollstuhl. Zu den Tatvorwürfen schweigt er – nur von seinem Leben, das bis zu seiner Erkrankung „halbwegs normal“ verlaufen sei, berichtet er. Ein Gutachter sieht bei ihm „keine Hinweise, die auf eine Einschränkung seiner Schuldfähigkeit hindeuten“ . Der Prozess geht am 26. Februar weiter. Dann will sich die 28-Jährige zu ihrem persönlichen Werdegang äußern. cd |
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