„Unter keinen Umständen mache ich mit.“ Mit diesen Worten will sich der angeklagte Solinger (29) zunächst geweigert haben, als Kurier „schwarze Taschen“ aus Roermond (Holland) nach Solingen zu schmuggeln. „Mir war klar, dass es um Drogen geht“, erklärt der 29-Jährige, der nach einem schweren Schicksalsschlag im Rollstuhl sitzt.
Er ist der erste, der sich im Wuppertaler Landgericht umfassend zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußert. Insgesamt sitzen drei Männer und zwei Frauen auf der Anklagebank, darunter eine 85-jährige Merscheiderin. Zwischen März 2008 und August 2009 sollen sie in wechselnder Beteiligung Heroin importiert und verkauft haben.
Von seinem „damals besten Freund“ (45), der nicht mit vor Gericht steht, will sich der Rollstuhlfahrer 7300 Euro geliehen haben. Später habe der 45-Jährige sein Geld „schlagartig“ zurückgefordert und Zinsen verlangt.
Angeklagter (29) will zehn Kurierfahrten gemacht haben
Den Vorschlag, die Schulden als Kurier abzuarbeiten, will der Angeklagte abgelehnt haben. Daraufhin sei der 45-Jährige, gegen den auch ein Verfahren läuft, mit zwei fremden Männern zurückgekehrt. Diese hätten gedroht, die Beine des 29-Jährigen mit einem Bunsenbrenner „anzubraten“.
Zehn Kurierfahrten will der Angeklagte gemacht, aber keine Drogen verkauft haben. Zunächst habe ihn der 45-Jährige nach Holland gefahren, später eine Freundin (43), die nichts von den Geschäften gewusst habe. In Roermond habe ihm der mitangeklagte 25-Jährige die Ware, die in Kaffeeverpackungen versteckt in einer Tasche lagerte, überreicht, anderntags eine ihm bis heute unbekannte Frau. „Zu den ersten Fahrten wurde ich gezwungen. Dann sah ich, dass es kein großes Risiko, sondern eine gute Möglichkeit war, meine Schulden abzuarbeiten.“ Verdient haben will er an den Kurierdiensten nicht.
Bis zur Festnahme im August 2009 habe er die beiden mitangeklagten Männer, den 25-jährigen und dessen Vater (50), nicht näher gekannt. Von der Seniorin und einer der Beihilfe angeklagten 28-Jährigen will er gar nichts gewusst haben.
Die 85-Jährige ließ am Mittwoch über ihren Anwalt ein Schreiben verlesen. Sie wuchs demnach in bürgerlichen Verhältnissen in Solingen auf und machte eine kaufmännische Ausbildung. Mit dem mitangeklagten 50-Jährigen, ihrem Sohn, habe es schon in der Pubertät „Probleme“ gegeben. Er sei ins Internat gekommen. Bei seiner Drogenabhängigkeit und Haftstrafen habe sie ihm immer „beigestanden“: „Das ist bis heute extrem belastend für mich.“ Der Prozess geh am Freitag weiter. cd