Für die fünf Angeklagten, darunter Deutschlands vermutlich älteste Drogen-Dealerin (85), fiel die Bescherung in diesem Jahr unerfreulich aus. Sie erhielten Post vom Wuppertaler Landgericht: Als Bande sollen die zwei Frauen und drei Männer zwischen März 2008 und August 2009 Drogen aus Holland in die Klingenstadt gebracht und damit unerlaubten Handel in nicht geringer Menge betrieben haben. Voraussichtlich ab Februar wird sich die 1. Große Strafkammer mit dem Solinger Fall befassen.
Anfang August hatte die Polizei bei einer spektakulären Pressekonferenz berichtet, dass ihr eine mutmaßliche Drogen-Bande, die tagelang observiert worden war, ins Netz gegangen sei. Die Merscheider Familie habe sich mit Komplizen einen „gut gehenden“ Familienbetrieb aufgebaut. Den „heißen Tipp“ erhielten die Ermittler aus der Drogen-Szene.
Sohn und Enkel sitzen noch in Untersuchungshaft
Über 60 Kriminalbeamte aus Holland und Wuppertal hatten die Verdächtigen damals bei einer Fahrt überwacht und festgenommen. Der Sohn (50) der Seniorin sowie ihr Enkel (28) sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft.
Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die mutmaßliche Bande oft wie folgt handelte: Der 50-Jährige soll ein Hotelzimmer in Rotterdam gemietet haben. Sein Sohn - der 28-Jährige -, sei dorthin gefahren, um sich Drogen zu besorgen. Die Ware habe er an Kuriere übergeben, die das Rauschgift nach Solingen geschafft hätten. In den Fall verstrickt sein soll auch die Freundin des 28-Jährigen - sie ist wegen Beihilfe angeklagt - sowie ein behinderter Bekannter, der Kurierfahrten übernommen haben soll.
Die 85-Jährige soll bereits ausgesagt haben, dass sie einige Monate lang im vergangenen Jahr alle drei bis vier Wochen Heroin in Holland besorgt und nach Solingen gebracht habe. Das Rauschgift will die Rentnerin in Kaffeeverpackungen versteckt haben. Sie soll die Drogen sowie das Geld aus den Verkäufen zum Teil in ihren eigenen vier Wänden zwischengelagert und aus dem Haus heraus verkauft haben. Laut Anklage streckte sie auch eigene Finanzmittel vor, damit das Geschäft weiterlaufen konnte. cd