Von Thomas KraftZufrieden wirkten sie gestern Morgen alle nicht. Nachdem CDU und SPD am Abend zuvor das Konzept für das geplante Kombi-Bad aus dem Verkehr gezogen hatten, roch es bei ihnen ganz fies - und zwar nach Niederlage und nach Resignation.Offiziell klingt das natürlich alles anders, vor allem im Lager der Genossen. Die Sozialdemokraten, die das Kernvorhaben der Koalition gegen ihren Willen und einzig ihrem Oberbürgermeisterkandidaten Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver zuliebe versenkt haben, sprechen von einem „für beide Seiten tragbaren Kompromiss“ in der Bäderfrage. „Es darf keinesfalls zum Stillstand kommen“, markiert der als Fraktionschef und Kombi-Bad-Fan parteiintern verladene Ernst Lauterjung Handlungsstärke. Auch alle anderen gemeinsamen Projekte werde das Bündnis bis zur Kommunalwahl „geordnet zu Ende führen“, gaukeln er und Müller-Stöver Harmonie vor.Den Verantwortlichen in der CDU muss das Essen hochkommen, wenn sie so etwas hören. Denn in der Verhandlungsrunde am Donnerstag gingen sie als Befürworter des Kombi-Bades über ihre Schmerzgrenze hinaus, als sie dem Stopp des Verfahrens zustimmten. „Vorübergehend“, wie sie seitdem beharrlich betonen.Als „sehr skurrile Runde“ beschreiben CDU-Teilnehmer diesen denkwürdigen Koalitionspoker. Sie fühlten sich an das Spielchen einer gegen alle erinnert, wobei der „eine“ Müller-Stöver hieß. In einer nicht zu überbietenden Sturheit habe dieser kein Argument gelten lassen. Er schlug auch das Angebot aus, parallel zum Kombi-Bad-Verfahren den Ausbau des Hallenbads Vogelsang zu prüfen. „Der wollte den Bruch mit der CDU“, heißt es.CDU will kein Risiko - und die Verwendung des Geldes steuernDass dieser ausblieb, liegt vor allem am Konjunkturpaket. Die avisierten 16,6 Millionen Euro halten die Union bei der Stange. „Ohne die wäre die Koalition vermutlich geplatzt“, sagt ein Beteiligter. Wichtiger jedoch, als den eigenen Stolz zu befriedigen und auszusteigen, ist es der CDU, die Verwendung des Geldes zu kontrollieren. „Nicht auszudenken, welches Gefeilsche einsetzt, wenn es im Rat keine stabile Mehrheit mehr gibt“, meint ein CDUMann. „Es ist gut, wenn eine Große Koalition das Geld verteilt“, sagen auch die Genossen. Sie sehen die Partnerschaft noch nicht ausgereizt: Für die Zukunft der Altenzentren oder das insolvente Kulturzentrum Cobra könne die Koalition noch einiges bewegen. Dagegen geht in der Bäderfrage - abgesehen vom Ausbau des Klingenbades - künftig kaum etwas.„Der Verzicht auf das Kombi-Bad ist ein echter Verlust“, sagt Sportdezernent Norbert Feith. Das gelte für die Sparziele wie für die Attraktivierung des Angebots. Das Ziel, jährlich knapp eine Million Euro Kosten abzubauen, hält die CDU ohne Kombi-Bad für unerreichbar. Das aber gefährdet die Übergabe des Birker Bades an die Lebenshilfe. In der Union erwartet man zudem, dass neben der beabsichtigten Aufgabe des Ohligser Hallenbades weitere Schließungen nötig werden. Es kann nur Vogelsang und/oder das Heidebad treffen. Schellbergtal und Ittertal sind bereits dicht. „Auf Sicht droht eine Landschaft mit nur noch zwei Bädern - Klingenbad und Birker Straße“, sagt ein CDU-Mitglied. „Das ist bestimmt nicht das, was die Kombi-Bad-Gegner wollen. Aber die haben es halt nicht kapiert.“