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16.04.2011 09:49
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„Die Politik macht es sich sehr leicht“

Kritiker aus den Parteien werfen Ihnen vor, die steigenden Energiepreise als Vorwand zu nehmen, um sich vom Birker Bad zu verabschieden.

Kurt-Reiner Witte: Die Politik macht es sich sehr leicht. Was ein Hallenbad an Energie verschleißt, darüber macht sich der normale Bürger keine Gedanken. Wer uns erzählen will, dass der Ausstieg aus der Atomenergie ohne Preissteigerungen an uns vorbeigeht, beleidigt unsere Intelligenz. Wir werden nicht als Schuldenweltmeister in die Geschichte der Stadt eingehen.

Es heißt aber immer, Sie bekämen doch Zuschüsse.
Das Wort „Zuschüsse“ scheint für viele ein magisches zu sein, wo man bereit ist, den Verstand auszuschalten. Fest steht, es ist Steuerzahlergeld. Wenn man meint, das Geld falle bei uns vom Himmel, dann ist das ein tragischer Irrtum. Wir müssen wirtschaftlich arbeiten wie andere Unternehmen auch.

Gibt es weitere Gründe, aus denen Sie sich gegen die Übernahme entschieden haben?
Witte:
Die Substanz des Gebäudes ist sicher ein Grund. Ein Beispiel: Beim Bau von Haus Müngsten mussten wir Mehrkosten tragen, als unerwartet eine Bodensanierung nötig wurde. Wenn das schon bei Neubauten passiert . . . Außerdem basieren unsere Analysen auf Angeboten von vor sechs Jahren. Auch das steigert das finanzielle Risiko gewaltig.

Zwischen den Zeilen klingt Kritik an der Stadtverwaltung an. Stimmt die Chemie?
Witte:
Das Paket dessen, was wir in den letzten Jahren erlebt haben, hat endgültig den Ausschlag gegeben. Ein weiteres Beispiel: Ein Jahr nachdem wir die Eissporthalle übernommen hatten, wurden wir plötzlich mit Lärmschutzauflagen konfrontiert. Das Problem mal eben auf andere zu verlagern, das geht nicht. Wäre es zu einem geplanten Neubau in Nähe der Halle gekommen, hätten wir für eine Million Euro den Eingang verlegen müssen.

Ist die Entscheidung gegen das Birker Bad unumstößlich?
Witte:
Dieser Abschied ist endgültig. In Vorstand und Verwaltungsrat findet sich so gut wie keiner mehr, der dafür spricht. Als die Entscheidung publik wurde, habe ich positive Anrufe bekommen.

Sehen Sie einen Ausweg, wie ein Angebot für Schwimmer und Schulen aufrecht erhalten werden kann?
Witte:
Ich kann mir nach wie vor vorstellen, dass das Kombibad kommen wird, eventuell unter Einbeziehung der Stadtwerke.

Durch den Rückzieher beim Birker Bad kamen schon Gerüchte auf, die Lebenshilfe stünde vor der Insolvenz.
Witte:
Ich glaube, dass die Lebenshilfe schon einige Aufgaben wahrgenommen hat, die außergewöhnlich sind. In den rund 13 Jahren, in denen ich den Verein führe, haben wir nachhaltig gesunde Zahlen. Das soll auch so bleiben. Nach der Jahreshauptversammlung des Vereins Ende Mai wird die Lebenshilfe zur Bilanzpressekonferenz einladen.

Wo setzen Sie die Schwerpunkte für die Zukunft?
Witte:
Wichtig ist, dass die Lebenshilfe nachhaltig gesichert ist. Wir müssen in zukunftssichere Arbeitsplätze für Behinderte investieren - wie wir es im Südpark und in Müngsten und bei Genesis getan haben. Der klassische Markt ist weggefallen.

Der Betriebsrat beklagt sich von Zeit zu Zeit über die Arbeitsbedingungen bei der Lebenshilfe.
Witte:
Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit dem Behindertenbeirat. Die Mitglieder haben sich bedankt, wie gut es ihnen in unserem Haus geht und wie wohl sie sich fühlen. Dafür setzt man sich auch gerne ein. flm

BIRKER BAD: BfS IST VERWUNDERT

Die Bürgergemeinschaft für Solingen (BfS) bedauert das Aus für die Übernahme des Birker Bades und nimmt die Begründung der Lebenshilfe mit Verwunderung zur Kenntnis. Nun müsse die Verwaltung unverzüglich Ausschau nach einem neuen Investoren für das Bad halten, so BfS-Vorsitzender Martin Bender. Die Lebenshilfe bittet er, ihre Planungsunterlagen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Stadt zur Verfügung zu stellen. So müsste ein potenzieller Investor nicht erneut „bei Null“ beginnen.“ cbi

Witte: