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01.06.2011 10:27
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Bäderdiskussion: CDU will Vogelsang opfern

Von Thomas Kraft

In der endlosen Bäderdebatte hat sich die CDU entschieden: Sie will den Standort Birkerstraße ausbauen und dafür das Hallenbad Vogelsang opfern. Gestern legte die Fraktion ein neues Konzept vor.

Demnach soll in der Südstadt ein zentrales Familienbad entstehen, das mit Außenbecken und Zusatzangeboten (Wellness, Sauna, Reha-Zentrum) modernsten Ansprüchen genügt. Für die nötige Investition – die Union kalkuliert 12 Millionen Euro – will man eine städtische Tochter gewinnen. Den Betrieb hingegen soll ein Partner übernehmen, der mehr Fachkompetenz vorweist. Die Erfahrungen der Kombi-Bad-Ausschreibung bestärken die CDU in ihrem Glauben, dass sich ein Interessent findet.

Als städtischer Investor kommen für CDU-Fraktionschef Bernd Krebs die Beteiligungsgesellschaft (BSG) oder die Stadtwerke (SWS) in Frage. Abzüglich des Zuschuss-Anteils von drei Millionen Euro, den das Land für einen Umbau an der Birkerstraße bereithält, hätte dieser dann noch knapp neun Millionen Euro zu finanzieren. Die Kreditkosten sollen durch die Aufgabe des Hallenbads Vogelsang aufgebracht werden.

Stadtwerke sollen als Investor
aus der Sackgasse helfen

Denn für dessen Betrieb gibt die Stadt jedes Jahr rund eine Million Euro aus. Dieser bei Schließung eingesparte Betrag reiche auf jeden Fall, um die Finanzierungskosten zu decken, hat CDU-Sportsprecher Frank Schütz errechnet. Auch jener Kostenabbau von 218 000 Euro sei gewährleistet, der bei einer Abgabe des Birker Bades an die Lebenshilfe vorgesehen war.

Doch diese will inzwischen nicht mehr (ST berichtete). Rathaus und Politik schienen deshalb zuletzt ratlos, wie sich nun Sparzwang und notwendiges Schwimmangebot miteinander vereinbaren lassen.

Jetzt geht die CDU als erste Fraktion in die Offensive. Ihre Rechnung, so Frank Schütz, enthalte wegen der Vogelsang-Schließung „sogar noch einen dicken Puffer“ – falls ein Umbau an der Birkerstraße teurer werde. Und nebenbei erledige sich zudem das Thema Sanierungsstau. Dieser wird am Vogelsang auf 2,8 Millionen Euro geschätzt.

Skeptische SPD spricht vom „Kombi-Bad durch die Hintertür“

Ob das Klingenbad alle Schulen und Vereine mit ihren Schwimmstunden aufnehmen kann oder ob an der Birkerstraße und/oder im Becken am Halfeshof zusätzlich Kapazitäten nötig sind, klärt die Stadt derzeit. Beides sei zu bewältigen, sagt Schütz.

CDU-Fraktionschef Bernd Krebs hofft nun auf die Stadtwerke als Investor – obwohl BSG-Geschäftsführer Ernst Schneider (CDU) zuletzt klar und deutlich eine SWS-Trägerschaft abgelehnt hat. Doch Krebs hält dagegen: „Die städtischen Töchter sind gefordert, uns aus der Sackgasse zu helfen.“ Für ein umfassendes Nahwärmekonzept, das auch die Eishalle sowie Schulen einschließt, biete die Südstadt beste Bedingungen. Auch die zentrale Lage und die Erweiterungsmöglichkeiten sprächen fürs Birker Bad.

Udo Schwenke, Geschäftsführer der CDU-Fraktion, sieht in dem Vorschlag eine der „letzten Möglichkeiten, um das Bäder-Problem strukturiert zu lösen“. Zur Alternative, mit vielen veralteten Bädern weiter zu wurschteln sagt er: „Das wäre dann eher DDR im Kleinen.“ Allerdings hat die CDU im Rat keine Mehrheit. Hier bestimmt die Allianz aus SPD, Grünen, BfS und Linkspartei. „Und die“, sagt Schwenke, „muss jetzt Butter bei die Fische tun.“

Für SPD-Fraktionschef Ernst Lauterjung riecht es nach dem Versuch der CDU, durch die Hintertür doch ein Kombi-Bad zu verwirklichen. Dennoch werde seine Fraktion den Vorschlag ernsthaft prüfen. Fraglich sei aber, ob sich wirklich ein Betreiber finde. Auch das Kapazitätsproblem bleibe ungelöst.