Die Nachricht schlug gestern Nachmittag wie eine Bombe ein und scheint die noch am Samstag im ST beschriebene Skepsis zur Standsicherheit der Müngstener Brücke zu bestätigen: Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands bleibt auf unbestimmte Zeit gesperrt. Das hat das Eisenbahnbundesamt (EBA) in Bonn verfügt.
Grund: Aus Sicht der Behörde hat die Deutsche Bahn AG mit ihrem vorgelegten Gutachten die Standsicherheit des Bauwerks bislang nicht nachweisen können, sagte Heike Schmidt, Sprecherin der Aufsichtsbehörde.
Zugleich habe man die Bahn AG aufgefordert, die unter Denkmalschutz stehende, stählerne Bogenbrücke „so schnell wie möglich wieder befahrbar“ zu machen. Das EBA hat verfügt, dass die Müngstener Brücke so lange für jeglichen Verkehr gesperrt bleibt, bis die DB den verlangten Nachweis der Standsicherheit erbringe.
Dieser Nachweis sollte eigentlich durch die statischen Berechnungen am Computer in Verbindung mit den Messergebnissen geführt werden, die Ende September bei den mehrtägigen Messfahrten mit Dieselloks herausgekommen sind.
„Doch nach intensiver Auswertung unter Einschaltung von Gutachtern reichen uns die Ergebnisse als Nachweis nicht aus“, sagte Heike Schmidt. Woran es im Detail liegt, dass das EBA jetzt mit der unbefristeten Sperr-Verfügung reagiert, dazu wollte sich die Sprecherin nicht äußern. „Das weiß die Deutsche Bahn, die als Eigentümerin der Brücke nach wie vor in der Betreiberverantwortung steht. Wir geben das Bauwerk erst frei, wenn der Nachweis lückenlos erbracht ist.“
Was bedeutet das nun für die Müngstener Brücke, die aktuell sowieso wegen des Einbaus von Koppellaschen von der Bahn AG seit der Nacht- und Nebel-Aktion vom vergangenen Donnerstagabend für jeglichen Verkehr von der Bahn AG gesperrt wurde? Und die eigentlich spätestens zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember wieder für Personenzüge befahrbar gemacht werden sollte? Zur Erinnerung: Diese Züge hätten – wie berichtet – dann sogar mit 70 km/h über die Brücke rollen sollen. Bahn-Sprecher Gerd Felser gestern am frühen Abend auf ST-Nachfrage: „Für uns kommt die Sperrung durch das Eisenbahnbundesamt völlig überraschend. Wir wissen noch nicht, ob es sich dabei nur um eine reine Formalie handelt oder mehr dahinter steckt. Wir prüfen den Bescheid noch.“
Zum momentanen Zeitpunkt ginge die Bahn AG davon aus, dass durch den Einbau oder Austausch der Koppellaschen der von der Aufsichtsbehörde verlangte Nachweis zur Standsicherheit erfüllt werde. Ob die Brücke am 12. Dezember – wie geplant – wieder freigegeben werde oder vor einer Freigabe große Teile der mehrjährigen Grundsanierung erfolgen müssten, darauf fand Felser gestern jedoch keine Antwort. Noch letzten Freitag hatten leitende Ingenieure der Bahn es als „völlig abwegig“ bezeichnet, die Standsicherheit der Brücke anzuzweifeln.
Morgens kein Lokführer da: Fünf Stunden lang fährt kein Zug
Irgendwie passt es ins Bild: Fünf Stunden lang – von vier bis 9 Uhr – fuhr gestern früh kein Zug der Linie RB 47 zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof-Mitte. Grund: Ein Lokführer hatte sich krank gemeldet, einen Ersatz gab es lange nicht. Tausende Pendler waren erneut betroffen – und „sauer“. Unzählige Taxi-Fahrgemeinschaften wurden gebildet, später auch Busse genutzt. Bahn-Sprecher Felser: „ Das darf eigentlich nicht passieren.“ Später waren Reisende auch von der Sperrung der Düsseldorfer Hauptbahnhofs betroffen.