Der Vorsitzende Richter erwägt, das Wachpersonal aufzustocken und den Angeklagten (29) gründlich durchsuchen zu lassen, wenn er im Wuppertaler Landgericht erscheint. Der Gutachter hat von einem „bodenlosen Hass“ des 29-Jährigen auf Zeugen und Justiz berichtet. Doch trotz Vorführbefehl erscheint der Solinger, der ins Drogengeschäft verwickelt sein soll, nicht: Vor wenigen Tagen ließ er sich freiwillig stationär in eine psychiatrische Klinik aufnehmen. Ärzte stufen ihn als selbstmordgefährdet ein.
Doch der gerichtlich bestellte Gutachter sagt: Das treffe derzeit nicht zu. Solche Absichten habe der Solinger künftig nur für den Fall geäußert, falls sein kranker Hund, der vielleicht nur noch sechs Monate zu leben hat, sterben sollte. Der Experte schließt aber nicht aus, dass sich der junge Mann etwas antun könnte. Das geschehe dann aber aus „Wut, Verzweiflung und bodenlosem Hass“ auf die Prozessbeteiligten. Er stuft den Solinger, der seit einem Schicksalsschlag im Rollstuhl sitzt und körperlich stark angeschlagen ist, für bis zu drei Stunden täglich als eingeschränkt verhandlungsfähig ein: „Er will nicht am Prozess teilnehmen.“
Nach gut sechs Stunden Wartezeit kommt ein Fax: Darin teilt ein Arzt mit, dass der 29-Jährige nun „hochgradig suizidal“ sei, er leide unter einer „psychischen Störung, die einer Psychose gleichkommt“. Seine stationäre Unterbringung wird angeordnet.
Die Kammer trennt das Verfahren ab. In dem Prozess sind noch zwei weitere Männer - Vater (50) und Sohn (25) - angeklagt. Das Verfahren gegen ihre Mutter bzw. Großmutter (85) ist eingestellt, da die Seniorin als nicht verhandlungsfähig gilt. Eine Mitangeklagte (29) wurde bereits verurteilt. Laut Anklage sollen die Solinger in den Drogenschmuggel und -handel verwickelt sein.
Sein Prozess geht vermutlich am Donnerstag weiter
Der Rollstuhlfahrer gab bereits zu, dass er Kurierfahrten nach Holland übernahm, Heroin verkauft habe er nicht. Er findet offenbar, dass er in einem „Unrechtsprozess“ sitzt, so der Gutachter. Der 29-Jährige will von einem Bekannten brutal zu den Fahrten gezwungen worden sein.
Sollte der Angeklagte wieder gesund sein, geht sein Prozess am Donnerstag weiter. Auch der der beiden Mitangeklagten. cd