Einen Schließungsbeschluss gibt es für das Hallenbad an der Birkerstraße nicht. Dennoch könnten die Tage der alt-ehrwürdigen Badeanstalt in der Südstadt schneller gezählt sein als bisher geglaubt. Zwar hat die Stadt-Spitze angekündigt, das Becken vorerst für das Schul- und Vereinsschwimmen offenzuhalten, nachdem die Lebenshilfe im April endgültig alle Übernahme-Pläne fallen ließ (ST berichtete). Ob das auf Dauer aber tatsächlich auch nötig ist, darüber kursieren in der Stadt inzwischen unterschiedliche Ansichten.
So wird aus politischen Kreisen hartnäckig Folgendes kolportiert: Das in der Vergangenheit stets für unverzichtbar erklärte Schwimmstunden-Kontingent lasse sich auch durch die Verteilung auf andere Bäder (Vogelsang, Halfeshof) so auffangen, dass kaum Nachteile entstehen. Der für den Fall der Lebenshilfe-Übernahme geplante Ankauf von Wasser-Zeiten durch das Rathaus habe immer auch „ein gewisses Entgegenkommen dargestellt“, ist mittlerweile hinter vorgehaltener Hand zu vernehmen. Offenbar überprüft die Stadtverwaltung den Bedarf jetzt sogar.
Neue Erkenntnisse hätten für den künftigen Zuschnitt der Solinger Bäderlandschaft womöglich entscheidende Bedeutung. Denn wenn der Komplex an der Birkerstraße nicht mehr als Schwimmbad benötigt wird, ergeben sich ganz andere Möglichkeiten, Gelände und Gebäude zu vermarkten. Das wiederum würde die Aussicht verbessern, Interessenten zu finden. Ausschreibungen und Investoren-Wettbewerbe scheiterten in der Vergangenheit, weil Schwimmbäder nur mit Verlusten zu betreiben sind.
Allein die Lebenshilfe blieb als Übernahme-Kandidat übrig. Denn mit der Zusage, weiterhin öffentliches Schwimmen an der Birkerstraße zu garantieren, gelang es Vorstandschef Kurt-Reiner Witte und Geschäftsführer Josef Neumann, in Düsseldorf millionenschwere Zuschüsse zu akquirieren. Mit Hilfe dieses Geldes wollten sie das alte Hallenbad zu einer modernen Wellness-Oase umbauen.
Alter Vorschlag aufgewärmt: Stadtwerke als Betreiber
Nachdem dieser Traum geplatzt ist, bleibt nun als vorrangiges Ziel der Stadt, diese Fördermittel auch ohne den verlorenen Partner zu retten. Das könne grundsätzlich sogar bei einer anderen Nutzung gelingen, erklärte Ernst Schneider gestern im Gespräch mit dem ST. Präzise Vorstellungen, wie ein solches Modell aussehen könnte, sind dem Geschäftsführer der städtischen Beteiligungsgesellschaft (BSG) nicht zu entlocken. „Klar ist nur, dass ein öffentlicher Charakter notwendig ist. Es kann sich dabei nicht um rein kommerzielle Angebote handeln.“
Bei CDU-Fraktionschef Bernd Krebs steigert diese Option die Zuversicht. Wenn nicht mehr der Zwang bestehe, an der Birker Straße ein Schwimmbad zu betreiben, werde das Objekt deutlich interessanter.
Als Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke Solingen (SWS) sieht er in dem Energieversorger aber auch einen potenziellen Retter für das Hallenbad. „Die Stadtwerke haben ein Interesse an allem, was mit Energie zu tun hat und neue Kundengruppen anspricht.“ In ein Energieentwicklungskonzept könne dann ebenfalls die benachbarte Eishalle einbezogen werden. So wie einen defizitären Busverkehr könnten die SWS ebenso gut ein Bad betreiben, das Verluste schreibt. Das Loch müsse dann die Beteiligungsgesellschaft stopfen.
Dagegen wehrt sich BSG-Geschäftsführer Schneider. „Das können wir nicht.“ Auch organisatorisch hält er diesen Schachzug für unlogisch. „Wir haben extra eine Bädergesellschaft gegründet und sollten die Bäder daher nicht an zwei Stellen im Konzern ansiedeln.“ Die Stadt ist mit 50,1 Prozent Mehrheitsgesellschafter der Stadtwerke, den Rest hält MVV.
Zwar hat die Stadtwerke-Spitze verlauten lassen, ein Bäderbetrieb sei für sie grundsätzlich denkbar. „Aber nur, wenn wir das den SWS aufdrücken“, relativiert Schneider. „Das ist kein wirkliches Ziel, das man aktiv verfolgt.“
Die Stadt steht unter Spardruck
Also sei zu überlegen, die Beteiligungsgesellschaft selbst ins Boot zu holen, sagt Ernst Lauterjung (SPD). Der Sportausschuss-Vorsitzende meint, die BSG könne Eigentümer werden und mit Hilfe der Fördermittel den Umbau des Bades besorgen. „Dann finden wir womöglich leichter einen Betreiber.“ Bis zum Herbst müsse jedenfalls eine Entscheidung fallen, fordert Lauterjung. Auf einen Investor zu hoffen, hält er für Augenwischerei. „Es gibt keinen. Das muss man sich auch mal eingestehen.“
Bewusst machen müssen sich Stadt und Politik ebenfalls den unverändert anhaltenden Spardruck. Eigentlich wollte der Kämmerer schon 2011 durch die Übergabe des Birker Bades 218 000 Euro sparen. Die Aufsichtsbehörde ziehe aufgrund des Lebenshilfe-Absprungs in diesem Jahr gewiss noch nicht die Daumenschrauben an, sagt Pressesprecher Lutz Peters. Aber 2012 erwarte Düsseldorf vermutlich eine Fortschreibung des Sparpakets. Dann steigt der Druck.
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