Bislang hat sich der Betriebsrat des Städtischen Klinikums mit Äußerungen in der Öffentlichkeit zurückgehalten - obwohl es seit Monaten (meist anonyme) Berichte über die schlechte Stimmung im Haus gibt. Auch in den letzten Tagen erreichten das ST entsprechende Briefe. „Wir wollten interne Probleme intern lösen“, erklärt der stellvertretende Betriebsrats-Vorsitzende Ali Dogan im Gespräch mit dem ST. Doch jetzt sei das Maß voll, sagt die Vorsitzende Anke Jahncke.
Anlass des Ärgers ist ein Brief, den die Klinikum-Geschäftsleitung in der vergangenen Woche unter den Mitarbeitern verbreiten ließ. Darin heißt es, dass die Unternehmensleitung es außerordentlich bedauere, „über die Kritik, die sich intern an unser Unternehmen und unsere Führungskräfte richtet, aus der Öffentlichkeit erfahren zu müssen“. Das stimme nicht, widerspricht Jahncke: „Wir haben bereits 2009 die Führungskräfte informiert, dass Mitarbeiter mit Angst zur Arbeit kommen.“ In einem eigenen Rundschreiben an die Mitarbeiter hat der Betriebsrat die Darstellung der Unternehmensleitung scharf zurückgewiesen.
Zunehmender Druck und Arbeitsverdichtung
Das schlechte Klima im Haus sei in Gesprächen mit der Geschäftsführung seit 2009 immer wieder Thema gewesen, berichtet Anke Jahncke, die sich noch aus einem zweiten Grund in der vergangenen Woche „im falschen Film“ wähnte: Denn in dem Brief und in einer Pressemitteilung kündigte die Geschäftsführung am Dienstag an, einen Ombudsmann oder eine Ombudsfrau zu ernennen, an die sich Mitarbeiter bei Problemen künftig wenden können. Die Entscheidung sei an der Mitarbeitervertretung vorbei gefällt worden, ärgert sich Jahncke: „Was der Ombudsmann machen soll, ist Aufgabe des Betriebsrats. Ich stelle außerdem in Frage, ob er das Vertrauen der Mitarbeiter genießen würde.“
Die Hilfe des Betriebsrats suchten hingegen viele, betonen sie und ihre Kollegen: Jeder der sechs freigestellten Mitglieder habe täglich mehrere Gespräche mit besorgten Beschäftigten, berichtet Dr. Gregor Weimbs. Viele wollten anonym bleiben. Inzwischen sei es im Klinikum schon so weit gekommen, „dass Mitarbeiter Sanktionen fürchten, wenn sie mit uns auf dem Flur gesehen werden“, erzählt Jahncke.
Die Mitarbeiter berichteten von immer mehr Druck und zunehmender Arbeitsverdichtung. Was das heißt, schildert Dr. Weimbs: Statt wie früher bis 17 Uhr würden Operationen bis in die Abendstunden hinein angesetzt, auch deshalb gebe es bei Assistenz-Ärzten eine hohe Fluktuation. In der Küche würden inzwischen täglich 1800 Mittagessen zubereitet, wo es früher rund 1000 waren - bei gleicher Personalstärke: „Das Limit ist erreicht“, warnt Ali Dogan.
Als Erfolg werten die Arbeitnehmervertreter, dass in diesem Jahr 54 neue Stellen geschaffen werden sollen. Vor allem auf Drängen des Klinikum-Aufsichtsrates, in dem auch Jahncke und Dogan sitzen, sei eine Unternehmensberatung beauftragt worden: Deren Vorschläge für eine verbesserte Kommunikation werde die Geschäftsführung umsetzen, hoffen die Betriebsrats-Mitglieder: „Die Mitarbeiter sollen wieder gerne zur Arbeit kommen und keine Konsequenzen fürchten müssen, wenn sie etwas kritisieren“, sagt Ali Dogan. asc