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03.11.2008 08:59
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„Bei den Bädern nicht festnageln“
Das Gespräch führte Thomas Kraft

Er hat ein riesiges Ressort, und die Erwartungen an ihn sind mindestens ebenso dimensioniert: Norbert Feith (CDU), seit Juli im Rathaus Dezernent für Schule, Jugend, Sport, Kultur und Integration. Die ersten 100 Tage liegen hinter dem 50-Jährigen. Mit dem ST sprach er über den Einstieg in sein schweres Amt.

Herr Feith, wie beurteilen Sie Ihre ersten Monate in Solingen?

Norbert Feith: Die Monate seit Juli waren geprägt durch unheimlich viele Antrittstermine. Ich habe zwischen 250 und 300 Gespräche geführt, mit Mitarbeitern, Verbänden, Politikern und in Institutionen, die sich vom Krankenhaus bis in die Kultur erstrecken. Da war einiges abzuarbeiten, um sich bekannt zu machen und einen Überblick zu gewinnen.

Und, sind Sie schon richtig angekommen?

Feith: Ich bin natürlich erst dabei, Fuß zu fassen. An einigen Stellen konnte ich schon mitgestalten, zum Beispiel in der Bäderfrage. Aber auch beim Umbau des Jugendamtes. Dort brauchen wir zwar mehr Personal, aber durch enges Controlling wollen wir weitere Kostenexplosionen verhindern und durch stärkere Intervention die Fallzahl senken, in denen teure Erziehungshilfe nötig ist. Das waren die beiden drängendsten Fragen, als ich kam. Und es gibt da große Erwartungen. Andere Dinge mussten dafür noch zurückstehen.

Welche Unterschiede zu Ihrer früheren Arbeit als Beigeordneter und Kämmerer in Bergheim entdecken Sie?

Feith: Leben und Arbeiten rücken hier in Solingen viel enger zusammen, weil ich auch in der Stadt wohne. Das war in Bergheim nicht so. Ich wohnte in Bonn und bin täglich gependelt. Das schafft mehr Distanz. Hier bleibe ich auch am Wochenende am Geschehen, habe zum Teil Termine. Auffällig ist auch der Wanderzirkus in der politischen Arbeit. Jeder Ausschuss tagt woanders. Das hat mit der speziellen Struktur der Stadt zu tun, verlangt aber einen enormen Aufwand. Daran muss man sich erst gewöhnen.

Welches Bild haben Sie von der Situation Solingens gewonnen?

Feith: Alles ist geprägt von der finanziellen Notlage. Daraus habe ich Konsequenzen für meinen Verantwortungsbereich gezogen.

Welche sind das?

Feith: Das permanente Spannungsfeld, in dem ich mich befinde - hier Attraktivität zu erhalten und dort Wirtschaftlichkeit zu gewähren - verlangt Entscheidungen und klare Positionen. Man darf sich nicht ducken, und man muss Prioritäten setzen.

Was heißt das konkret?

Feith: Dass ich mich etwa in der Bäder-Frage nicht zu früh festnageln lasse, auch wenn das einige gerne sähen. Es gibt im Bäderkonzept drei Stellschrauben: die Übergabe der Birker Halle an einen Privaten, den Ausbau der Klingenhalle zum Leistungszentrum für Vereine und das angepeilte Kombibad. Man muss abwarten, wie sich am günstigsten daran drehen lässt, um den Zuschuss für die Stadt so weit wie möglich zu senken und doch für die Bürger ein gutes Schwimmangebot zu schaffen. Dafür müssen aber erst Ergebnisse her, und es muss gerechnet werden. Die Freiheit, die Bausteine des Konzepts hin- und herzuschieben, müssen wir uns bis zum Schluss offenhalten.

Außer Jugend und Sport tragen Sie auch noch die Verantwortung für Schule und Kultur. Ist Ihnen nicht bange vor Ihrem großen Dezernat?

Feith: Es ist viel, das stimmt. Die Konstellation birgt aber auch reichlich Chancen. Ich brauche und habe kompetente Mitarbeiter, die mir helfen.

Etwa bei der Schaffung von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren oder beim Ganztagsausbau an den Schulen.

Feith: Ja. Hier dürfen wir den Zug nicht verpassen. Die Förderung durch Land und Bund ist bis 2013 begrenzt. Diese Aufgabe genießt Priorität. Das Ziel heißt, 1000 Plätze zu schaffen. Den Ganztagsausbau an den Schulen setzen wir trotz schlechter Haushaltslage wie geplant fort.

Man sagt Ihnen schon jetzt ein ausgeprägtes Machtbewusstsein nach. Wie kommt das?

Feith: Das ist Unsinn. Ich habe eine Gestaltungsaufgabe und will Ergebnisse erzielen. Ich will mit Argumenten überzeugen, setze aber natürlich meine Akzente und bin auch bereit, Entscheidungen zu treffen.

Bei Bedarf auch mal mit einem Maulkorberlass in Ihrem Ressort, der für Aufregung sorgte.

Feith: Die öffentliche Kommunikation ist Chefsache. Dazu muss ich wissen, was meine Leute machen. Es geht nicht, dass ich das aus den Medien erfahre. Das sind normale Spielregeln, finde ich.

Stehen Sie als Oberbürgermeister-Kandidat der CDU zur Verfügung, falls Franz Haug nicht weitermachen will?

Feith: Ich bin als Dezernent für acht Jahre gewählt. Das ist mein Job. Und der macht mir Spaß. » Guten Morgen