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20.11.2010 10:04
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Bald wieder Tempo 70 auf der Brücke

Tausende von Bahnreisenden der Regionalbahn-Linie 47 standen gestern wortwörtlich im Regen: Die Deutsche Bahn (DB) hatte am späten Donnerstagabend entschieden, die Müngstener Brücke ab sofort zu sperren. Grund: Schon gestern begannen Sanierungsarbeiten an einem tragenden Bauteil der mit 107 Metern höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands.

Diese Notwendigkeit habe sich erst aus den jüngsten Ergebnissen zur statischen Nachberechnung der Brücke ergeben. Das sei erst „am Donnerstag“ so deutlich geworden, erklärte Bahn-Sprecher Gerd Felser bei einer am Mittag kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Müngsten. Als Grund nannte Felser: „Wir wollen zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember die Geschwindigkeit der Personenzüge wieder auf 70 km/h erhöhen.“ Außerdem soll dann wieder Begegnungsverkehr möglich sein. Dafür müssten an sechs Stellen (Achsen) der obersten Brückenebene - dort, wo die Gleisroste liegen - so genannte „Koppellaschen“ installiert werden. Alte, marode würden entweder ersetzt oder neue zusätzlich angebracht. Insgesamt würden 24 jeweils 50 Kilogramm schwere, bis zu 1,2 Meter lange, 22 cm breite und 2 cm dicke Stahlverstärker eingeschraubt, die dann die vorhandenen Stahl-Längsträger miteinander verbinden. Diese Arbeiten könnten nicht unter Verkehr erfolgen, weil dazu abschnittsweise komplette Gleisroste herausgenommen werden müssten. Diplom-Ingenieur Michael Käufer, Leiter Produktion bei DB Netz: „Da diese Arbeiten wegen der im Winter drohenden kalten Temperaturen kaum noch möglich sind, beginnen die Arbeiten sofort.“

Netz-Chef der Bahn AG: „Brücke ist standsicher“

Darum seien schon gestern aus Dresden und Köln Stahlbauexperten zusammengezogen worden. Die Brückensperrung werde „nach derzeitiger Abschätzung“ zwei Wochen dauern. Die theoretischen Berechnungen und auch die immer noch in der Auswertung befindlichen Ergebnisse aus den Testfahrten Ende September hätten bislang ergeben, dass die Brücke standsicher sei, sagte Jörg Bis-tritz, oberster Netz-Chef bei der DB NRW. Er trat damit Befürchtungen entgegen, die jetzt dringend notwendige Sanierung der Verbindungsstücke und die über Nacht erfolgte Sperrung hätte nicht später erfolgen können, weil sonst eine Vollsperrung durch das Eisenbahnbundesamt, die Aufsichtsbehörde, riskiert worden wäre. Bistritz: „Wir hätten die Personenzüge durchaus weiterhin mit 10 km/h fahren lassen können.“

Warum die Öffentlichkeit so spät informiert wurde, bleibt das Geheimnis der Bahn. Solingens Baudezernent Hartmut Hoferichter reagierte jedenfalls extrem verärgert: „Das ist eine grottenschlechte Informationspolitik.“ Er selbst habe erst morgens um halb acht auf Nachfrage von der Sperrung erfahren. Noch saurer waren gestern natürlich die vielen Berufspendler und Schüler: Nur winzige Aushänge auf den Bahnstationen wiesen auf die Vollsperrung hin. Zwar wurde ein Bus-Pendelverkehr zwischen den Stationen Solingen-Mitte und Güldenwerth in Remscheid eingerichtet. Doch die sechs Busse fuhren gestern fast nie planmäßig, so dass es zu Fahrzeitverlängerungen von bis zu 40 Minuten kam. hpm/sb.