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04.11.2011 16:03
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Baustelle: Bald steht nur noch der Turm

Von Melissa Wienzek

Sie drücken sich die Nasen platt am Bauzaun, diskutieren heftig über den Abriss des ehemaligen Karstadt-Gebäudes. Die Kasernenstraße ist in

WAS TUN DIE BAUHERREN GEGEN DEN STAUB?

BESCHWERDE Ulrich Zimmermann lebt an der Kasernenstraße und beschwert sich über den Staub, der bei den Abrissarbeiten entsteht. „Dass die Dachfenster schon wieder undurchsichtig sind, ist noch das kleinste Übel. Viel schlimmer ist, dass sich der Feinstaub sehr schmerzhaft in den Augen bemerkbar macht und zwischen den Zähnen knirscht.“

MASSNAHMEN Das sei persönliches Empfinden, entgegnen die Bauleiter Mergner und Altepost. „Der Staub ist nicht gefährlich.“ Zudem tue man einiges dagegen. „Wir befeuchten bei Temperaturen über null Grad den Beton über C-Rohre. Wir haben auch ein Gerät mit zwei Strahl-Funktionen und eine Schneekanone als Wasserwerfer, die den Staub zu Boden drücken.“

diesen Tagen eine wunderbare Pilgerstätte für Schaulustige; die Niederlegung wird zur Nachmittagsbeschäftigung. „Eine Schande“, sagt der Herr mit Hut zu seinem Bekannten. „Weißt du noch, wie wir damals immer mittwochs im Turm essen gegangen sind?“ Erinnerungen an eine goldene Karstadt-Ära – sie werden nun unter tonnenschwerem Bauschutt begraben.

Sprengung des Turms
wohl am 18. Dezember

Davon haben die fleißigen Bagger der Investoren MAB und Sonae Sierra schon 10 000 Tonnen „weggefressen“. Er wird für die Baustelle wiederverwertet. Wie ein Schweizer Käse, der von einer Maus angeknabbert wird, sieht der Gebäudekomplex am Neumarkt aus. Etwa 50 Männer sind jeden Tag mit den Sanierungs- und Abrissarbeiten beschäftigt. Täglich gibt es einen neuen Blick auf die Riesen-Baustelle, deren Fortschritt sich wunderbar über die ST-Webcam verfolgen lässt.

Wann Sprengstoff-Experte Helmut Roller den Turm niederlegt und wann die Investoren den Startschuss für das neue 120-Millionen-Euro-Einkaufszentrum geben, kann MAB-Geschäftsführer Michael Flesch noch nicht sagen. Dem ST ist jedoch aus sicherer Quelle bekannt, dass der 60-Meter-Turm am 18. Dezember in die Knie gehen soll. „Dazu können wir im Moment noch nichts sagen. Wir informieren Sie aber, sobald wir das wissen“, sagt Flesch.

„Genagt“ wird zunächst von der Weyersberger Straße und der Kasernenstraße aus, erklärt Bauleiter Wolfgang Mergner. Der „kleine“ Schecker-Bagger ist gerade damit beschäftigt, Betonteile aus dem ehemaligen Parkhaus zu „rupfen“. Für alles, was höher als 24 Meter ist, muss der große Bruder ran: Der Longfront-Bagger kann seinen Arm bis zu 34 Meter hoch ausfahren und hat ein Eigengewicht von 80 Tonnen.

Für die beiden Bauleiter Wolfgang Mergner und Hermann Altepost ist es „schon ein größeres, aber zu bewältigendes Projekt mit einer einfachen Betonskelett-Konstruktion“. Zum Vergleich: Die Ex-Polizeiinspektion, die Mergner und seine Kollegen ebenfalls niedergelegt haben, hatte ein Volumen von 40 000 m³ so genanntem „umbauten Raum“. Der Karstadt-Komplex hat fast fünf Mal so viel: nämlich 200 000 m³. „Gut ein Viertel haben wir schon weg“, sagt Altepost. „Wir brechen bis zum Turm ab.“ Am Ende soll nur noch der leergeräumte Turm als letzter Mohikaner in der Mitte stehen bleiben – bis er gesprengt wird. Und was passiert mit den Funkmasten auf dem Dach? „Die will keiner mehr haben“, sagt Mergner.

Fein sortiert liegen da Leuchtstoffröhren, im Schutt finden sich noch manche Schätze: hier ein Lautsprecher, da eine verknautschte Rolltreppe. Bald wird auch die letzte aufgesprühte Liebeserklärung verschwinden.

Überraschungen habe man nicht erlebt und man sei gut im Zeitplan, erklärt Flesch. Auf ST-Nachfrage geben die Bauleiter zu, Asbest in den Brandschutzplatten im Innern gefunden zu haben. „Aber im normalen Bereich, nichts Besorgniserregendes.“

Während an der Kasernenstraße der Beton auf den Boden scheppert, sind Mitarbeiter am ehemaligen Turmhotel dabei, Fassadenteile abzubauen. Möglich wird das durch eine Fahrgondel. Damit werden sie abgeseilt wie Spiderman. Entkernt ist schon längst. Die Buchstaben am Fenster, von denen auch Flesch nicht weiß, wo sie herkommen, lassen sie kalt. Nach dem Estrichlegen winken die Bauarbeiter lieber mal eben aus einer der obersten Etagen – zum Vergnügen der Schaulustigen.

Ihr charakteristisches „Gesicht“ hat die Karstadt-Fassade zum Neumarkt hin schon verloren: „Die zehn Meter langen Aluminiumteile habe ich händisch abbauen lassen“, erklärt Altepost. Der Einsatz eines Baggers sei dort zu gefährlich. Sicherheit geht vor. Deshalb soll die Bergstraße ab Mitte nächster Woche für die rund zwei Wochen dauernden Arbeiten halbseitig für den Verkehr gesperrt werden.