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20.09.2007 23:05
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Bäder reif für großen Abwasch
Das klingt entschlossen: „Wir können nicht so weitermachen wie bisher“, sagt Ernst Schneider (CDU). „Dann laufen uns die Kosten weg.“ Der Kämmerer und Sportdezernent spricht von den Solinger Frei- und Hallenbädern, die längst nicht erwirtschaften, was sie an Aufwand verursachen. „Wir haben viel zu wenige Besucher und zu niedrige Preise“, benennt Schneider das Problem. Und ohne es direkt zu sagen, deutet er gegenüber dem ST an, dass die Verwaltung jetzt zum Befreiungsschlag bereit ist.

Zwar will die Stadtspitze offiziell noch keine Richtung einschlagen, bevor sie das Bädergutachten der Firma WaterVisions an die Politik weitergereicht hat. Aber Schneider sagt klipp und klar: „Die Gutacher-Lösung sieht gut aus. Es ist nun eine Frage der Umsetzung, ob wir einen Anbieter finden, der das baut.“

Der Kämmerer denkt dabei nicht nur an einen Investor, sondern auch an einen Betreiber. Denn angesichts desolater Finanzen möchte Schneider ungern Risiken eingehen. Das ist offenbar auch die Meinung der Stadtspitze, die sich am Dienstag zu einer Klausur traf. Dr. Ing. Günter Fehr präsentierte das Ergebnis seines Gutachtens, das dem ST vorliegt. Der Bäder-Experte glaubt, dass es für Solingen das Beste wäre, die Freibäder im Schellbergtal, im Ittertal und in der Heide ebenso aufzugeben wie die Hallenbäder in Ohligs und am Vogelsang. Bei Übergabe des Birker Bades an die Lebenshilfe sowie gleichzeitiger Sanierung und Erweiterung der Klingenhalle könne dann ein neues Kombi-Bad im Westen der Stadt entstehen.

29 Millionen Euro sind zu investieren

Knapp 29 Millionen Euro kostet dieser Plan: Denn für das Kombi-Bad kalkuliert der Gutachter 20,5 Millionen Euro, für die Sanierung des Klingenbades 3,2 Millionen Euro und für den Anbau eines Lehrbeckens fünf Millionen Euro. Ein fetter Batzen für eine hochverschuldete Stadt.

„Natürlich würde es zunächst weniger kosten, wenn wir in alte Bäder investieren“ sagt Schneider. Laut Gutachten knapp 20 Millionen Euro. „Aber auf Dauer rechnet sich das nicht, weil die nicht so attraktiv werden, dass wir mehr Besucher und zusätzliche Einnahmen bekommen.“ Genau das sei jedoch das Ziel der Kombi-Bad-Lösung. Laut Gutachten sind die Bäder in der Klingenstadt heute nur zu 25 Prozent ausgelastet. Enormes Potenzial liege brach, schreibt Fehr – auch, weil die Solinger die modernen Anlagen der Nachbarstädte vorziehen. Diese Gäste gelte es zurückzugewinnen.

An den Kosten sei nicht mehr zu drehen. Die Erträge müssten es herausholen. Deshalb brauche ein Kombi-Bad Zusatzangebote wie Sauna, Fitness und Gastronomie. „Das wirft etwas ab und ermöglicht einem Investor, einen nicht so hohen Zuschuss von der Stadt zu fordern“, sagt Schneider. Der Gutachter nennt 700 000 Euro jährlich.

Der Kämmerer fürchtet nicht, dass ein Kombi-Bad die Besucher abschöpft, die die Lebenshilfe für einen Weiterbetrieb des Birker Bades braucht. „Es geht beides, zumal das neue Bad im Westen entsteht und das Birker Bad im Osten liegt.“ Auch die strenge Finanzaufsicht in Düsseldorf glaubt Schneider mit dem Konzept überzeugen zu können. „Wir dampfen ja auch eine Menge ein.“ Leverkusen habe für einen ähnlichen Plan (s. o.) bereits grünes Licht erhalten. kra