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08.06.2011 09:23
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Bäder-Debatte: Vorsicht vor privaten Betreibern

Die Welle rollt: Intensiv diskutieren die Solinger über den CDU-Plan, das Birker Bad mit den Millionen einer städtischen Tochter (Stadtwerke oder Beteiligungsgesellschaft) zu einem Familienbad aufzumotzen und dann an einen privaten Betreiber zu übergeben (ST berichtete). Um dem von der Aufsichtsbehörde verordneten Sparzwang gerecht zu werden, soll im Gegenzug das Hallenbad Vogelsang schließen. In der lokalen Politik wie im ST-Internetforum setzt es viel Contra für den Union-Vorschlag. Dazwischen finden sich aber auch immer wieder Pro-Argumente.

So berichtet ein User Interessantes von einem Bad in Hof an der Saale. Dort sei die Stadt den von der CDU skizzierten Weg gegangen und habe ein altes Hallenbad (Baujahr 1952) modernisiert. Das Tageblatt hörte sich daher in Hof um. Zwischen sechs und sieben Millionen Euro verschlang die Investition Anfang der 90er Jahre in der 48 000-Einwohner-Gemeinde, die wie Solingen hoch verschuldet ist.

Ganz vergleichbar ist der Fall jedoch nicht. Denn den Bad-Betrieb managen in Hof die dortigen Stadtwerke. Das garantiert „für jedermann bezahlbare Eintrittspreise“, sagt Betriebsleiterin Michaela Franke. Für einen Erwachsenen kosten zwei Stunden 4,80 Euro. Allerdings sollen die Preise zum 1. Januar steigen.

Wie auch in Solingen leiden die Stadtwerke Hof unter sinkenden Gewinnen. Allein das Bad produziert jährlich ein Minus von rund zwei Millionen Euro. „Wir können weder die Preise nach oben schrauben wie ein privater Betreiber noch die Kosten vergleichbar drücken. Bei uns geht alles streng nach Tarif“, erklärt Michaela Franke.

Rückenwind für die
Anhänger eines Kombi-Bades

Ob ein Privater ein solches Bad allerdings wirklich rentabel betreiben kann, mag sie nicht beurteilen. Auf jeden Fall werde das Schwimm-, Sauna- und Wellnessvergnügen dann deutlich teurer. Zudem müsse die Stadt auf der Hut sein, wie sie den Vertrag gestalte. „Man hat schon oft gesehen, dass ein Bad, das der Kommune gehört, von einem privaten Betreiber heruntergewirtschaftet wird. Dann kriegt sie es am Ende als Ruine zurück.“

Und dann hat Michaela Franke noch einen Tipp parat, der die Debatte in Solingen mächtig anheizen könnte: „Ich würde heute ein Kombi-Bad bauen und darauf achten, dass die Wasserflächen innen und außen nicht zu groß werden.“ Ein Kombi-Bad war bis zur Kommunalwahl das Ziel der Stadtspitze. Die Pläne wurden aber im Kommunalwahlkampf 2009 von der SPD gegen den Willen der CDU gekippt.

Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen bietet Städten wie Solingen Beratungsleistungen für ihre Bäderkonzepte an. Auch Geschäftsführer Dr. Christian Ochsenbauer rät zur Vorsicht bei Verträgen mit privaten Betreibern. Nicht nur den Vertrag zwischen den Partnern hält er für gefährlich. „Es geht ja auch darum, ob die Konditionen am Ende sozialverträglich sind“ – also, ob die Masse der Besucher noch den Eintritt bezahlen kann. Grundsätzlich sei die Überlegung der Solinger CDU nicht schlecht. „Aber es kommt sehr auf die Details des Einzelfalls an.“ kra