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22.06.2011 09:47
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Ab Montag rollen wieder Züge

Erleichterung bei den Bahnreisenden: Nach sieben Monaten Zwangspause rollen ab kommendem Montag wieder Personenzüge des „Müngsteners“ (RB 47) nach Fahrplan über Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke. Das gab die Deutsche Bahn gestern bekannt (siehe auch Titelseite). Zuvor hatte das Eisenbahnbundesamt in Bonn (EBA) der Wiederaufnahme des Zugbetriebes auf der Müngstener Brücke bis 2014 zugestimmt – allerdings unter strengen Auflagen.

Nach den in den letzten Wochen vorgenommenen Verstärkungsarbeiten an der Brücke sind nun 98,6 Tonnen Gesamtgewicht pro Zug und einzelne Achslasten von maximal 13,7 Tonnen zulässig. Damit kann die Bahn ihre bisherigen Dieseltriebzüge mit einem Tempo von maximal 70 km/h über die Brücke fahren lassen, denn in den von der Bahn AG vorgelegten Expertisen eines vom EBA anerkannten Gutachters ist nun das Gewicht der Fahrgäste berücksichtigt. Dies hatte – wie berichtet – die DB beim letzten Gutachten vor vier Monaten in ihren Berechnungen schlichtweg vergessen.

Bahnsprecher: „Im schlimmsten Fall droht ein Brückenneubau“

Allerdings ist die Genehmigung zunächst bis 2014 beschränkt. „Um den Eisenbahnbetrieb auch über das Jahr 2014 hinaus aufrechtzuerhalten“, so EBA-Sprecher Ralph Fischer gegenüber dem ST, „muss die DB AG weitere gravierende Sanierungsarbeiten an der Stahlkonstruktion durchführen.“

In jedem Fall müssen die Brückenlager der Stahlkonstruktion beidseitig erneuert werden. Welche Sanierungsmaßnahmen zudem erforderlich sind, „kann und will“ Bahn-Sprecher Udo Kampschulte derzeit nicht sagen. „Wir warten weiter auf das Ergebnis der Gesamt-Untersuchung der Brücke. Das wird erst im Herbst vorliegen.“

Daran anknüpfen werde sich auch eine Kostenberechnung für den dann erforderlichen Maßnahmenkatalog zur Sanierung der Brücke sowie eine Wirtschaftlichkeitsberechnung unter Berücksichtigung der dann noch zu erwartenden Maximal-Nutzungsdauer der Brücke. Kampschulte stellte gestern nochmals gegenüber dem ST fest: „Im schlimmsten Fall droht ein Brückenneubau.“

Abellios Lint-Dieseltriebzüge
haben zu hohe Achslasten

Dass die Freigabe des EBA zudem nur bis 2014 gilt, wirft ein anderes Problem auf: Der Verkehrsverbund Rhein/Ruhr hat dem Bahn-Konkurrenz-Unternehmen Abellio Rail NRW den Zuschlag gegeben, ab Dezember 2013 die Strecke des Müngsteners zu bedienen. Abellio wird dort den Zug Coradia Lint 41/H von Alstom einsetzen. Doch dieser Dieseltriebzug hat zwar ein Leergewicht von 70 Tonnen. Das Gesamtgewicht (mit Zuladung) beträgt 96 Tonnen. Die jetzt vom EBA vorgegebene maximale Achslast wird bei Vollbeladung mit Fahrgästen jedoch um 2,8 Tonnen pro Achse überschritten. Was das bedeutet, erklärt Abellio-Geschäftsführer Ronald Lünser: „Das würde bedeuten, dass wir maximal nur mit 155 Fahrgästen pro Zug über die Brücke fahren dürften.“ In der kommenden Woche führt der Abellio-Chef dazu ein Gespräch mit der DB. „Ich gehe fest davon aus, dass bis 2013 die Brücke derart saniert ist, dass wir auch mit einer Achslast von 16 Tonnen bei Vollladung fahren dürfen.“ hpm