„Die Solinger sollen ihre Verkehrsprobleme auf ihrem eigenen Gebiet lösen“, sagt Frank Schneider (CDU), der Bürgermeister von Langenfeld. Der Parteitagsbeschluss der Solinger SPD, sich vom umstrittenen Autobahnzubringer B 229n zu distanzieren, sei „gelinde gesagt unfair“. Denn die Genossen bringen als Alternative eine A 3-Zufahrt über die Haus Gravener Straße ins Spiel.
Westkämper fürchtet Krise im Verhältnis zu Langenfeld
Genau das lehnen die Langenfelder seit Jahren ab. Und dabei bleibt es wohl auch. „Die Haus Gravener Straße führt durch ein Naturschutzgebiet“, betont Schneider. Bei einer A 3-Zufahrt an dieser Stelle fürchten die Langenfelder zudem Ausweichverkehr von den Autobahnen mitten durch ein Wohngebiet. Schneider: „Wir bekämen unlösbare Verkehrsprobleme in der eigenen Stadt.“ Für den Bürgermeister gibt es keine Alternative zur rund zwölf Millionen Euro teuren B 229n. Bezahlen müsste die zwar der Bund; Langenfeld würde sich aber an einer Vorfinanzierung beteiligen. „Auch der Landkreis Mettmann würde mit einsteigen“, sagt Schneider.
Für Landrat Thomas Hendele (CDU) ist der Solinger SPD-Beschluss „völlig indiskutabel“. Er hat gegen die Haus Gravener Straße ähnliche Argumente wie Schneider und stellt klar: „Mit uns gibt es diese Lösung nicht.“ Der Landkreis wäre als Naturschutzbehörde in die Planungen einer A 3-Zufahrt einbezogen. Auch Hendele favorisiert die B 229n, die von Landwehr bis zum Kreuz Langenfeld führen soll. Nicht umsonst habe das Projekt im Bedarfsplan für Bundesstraßen weit oben gestanden - bis die rot-grüne Landesregierung vor Jahren gebremst habe.
Der neue SPD-Beschluss sei der „Tod für die Umgehungsstraße“, kritisiert der Langenfelder Landtagsabgeordnete Hans-Dieter Clauser. Wenn beide Städte nicht mit einer Stimme sprächen, schmälere das die Finanzierungs-Chancen: „Dann wenden sich die Ministerien in Düsseldorf und Berlin anderen Projekten zu“, warnt Clauser.
Sein Solinger Fraktionskollege sieht das ähnlich. „Ich weiß, dass Verkehrsminister Lienenkämper verärgert ist“, berichtet Horst Westkämper (CDU). Dabei sei eine bessere Autobahnanbindung wichtig für viele Solinger Unternehmen. Westkämper sieht wegen des SPD-Beschlusses sogar die Beziehungen zwischen Langenfeld und der Klingenstadt in Gefahr. „Ich höre, dass man in der Nachbarstadt überlegt, als Reaktion jede Rücksichtnahme bei der Gewerbegebietspolitik aufzugeben.“
Westkämper wirft der SPD vor, das Verkehrsgutachten im Auftrag des Landesbetriebs Straßen NRW nicht abgewartet zu haben. Es soll im Mai präsentiert werden: ob noch vor der Landtagswahl (9. Mai), ist unklar. Die SPD hatte sich im März aus finanziellen und ökologischen Gründen gegen die B 229n und die L 405 als Verlängerung der Viehbachtalstraße bis Landwehr ausgesprochen. ab