Snippets
Snippets
19.12.2011 11:12
Drucken Vorlesen Senden
40 000 Menschen bei Turmhotel-Sprengung

Von Jörn Tüffers
und Dirk Lotze

Um 14.18 Uhr löste sich das Turmhotel in Staub auf. Mehr als eine Stunde nach dem geplanten Sprengungstermin fiel eines der markantesten Gebäude der Stadt innerhalb von Sekunden in sich zusammen. Das 68 Meter hohe Bauwerk, einst Ausdruck Solinger Architekturkunst und Aufbruch in die Moderne, ist 42 Jahre nach seiner Eröffnung Geschichte.

Zwei Mal war es zu Verzögerungen gekommen. Die erste war erforderlich, weil Anwohner am Weyersberg ihre Wohnungen erst nach gutem Zureden der Ordnungskräfte verließen. Dann mussten zwei zusätzliche Splitterschutz-Matten an dem Hochhaus-Skelett aufgezogen werden. Das sollte ursprünglich am Freitag geschehen – musste aber wegen des Sturms und des damit verbundenen hohen Risikos beim Aufbau verschoben werden.

Spätestens im Frühjahr 2014 wird der „Hofgarten“ eröffnet

Die Sprengung selbst lief dann plangemäß. Sprengmeister Helmut Roller (74) war „sehr erleichtert“. Wie vorgesehen knickte der mit 100 Kilogramm Sprengstoff versehene Turm erst kurz ein und kippte dann nach links weg. Nach ST-Recherchen gab es geringfügige Schäden an einem Gebäude in einer Querstraße der Kölner Straße, die Polizei meldete leichte Schäden an einem Pkw und einem Wartehäuschen. Die zunächst erhebliche Staubwolke hatte sich nach wenigen Minuten wieder gelegt. Eine Gefahr ging nach Angaben der Polizei davon nicht aus – sämtliche gesundheitsgefährdenden Stoffe wie Asbest waren vorher entfernt worden. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz führte Messungen in der Stadt durch.

Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU) sprach von einem „wichtigen Tag für Solingen“. Der Abbruch sei gleichsam das „Signal für den Aufbruch in eine attraktivere Innenstadt.“ Die Solinger hätten sich auf diesen Tag gefreut.

Nach Angaben der Polizei warteten zeitweise mehr als 40 000 Menschen darauf, eines der spektakulärsten Ereignisse der vergangenen Jahre zu verfolgen. Erwartet worden waren nur 5000 Besucher. „Es gab dichten Verkehr an den Sperrstellen und deutlich feststellbare Behinderungen“, teilte die Polizei mit. Vor allem bei der Sprengparty auf dem Parkplatz vor der Klingenhalle und am Weyersberg selbst herrschte drangvolle Enge. Den Besuchern wurde die Wartezeit durch ein Musikprogramm auf der ST-Bühne, ein kulinarisches Angebot und Informationen dazu verkürzt, was innerhalb der kommenden zwei Jahre am früheren Karstadt-Standort entstehen soll.

Im Herbst 2013, spätestens im Frühjahr 2014, soll das Einkaufszentrum „Hofgarten“ eröffnet werden. Mit rund 29 000 Quadratmetern Verkaufsfläche wird es doppelt so groß sein wie die im Jahr 2000 eröffneten Clemens-Galerien. Vorrangiges Ziel: Die Solinger sollen wieder mehr Geld in ihrer Stadt ausgeben. Ein Gutachter hatte vor einigen Jahren ermittelt, dass allein im Textilbereich rund 60 Prozent außerhalb Solingens ausgegeben werden.

Nach Jahren der Ungewissheit und des Stillstands auf dem 13 000 Quadratmeter großen Filetstück in Solingens Innenstadt hatten die Unternehmen „MAB Development“ und „Sonae Sierra“ im Juni ein Joint Venture gegründet und ihre Pläne für das neue Einkaufszentrum vorgestellt.