Nun hängt das Märchen „Schneewittchen“ als Bilder-Geschichte an der Wand. Während des Ferienprogramms des Bürgervereins „Rund um die Zietenstraße“ haben Kinder mit ihren Betreuern Requisiten besorgt, Kostüme hergestellt, die Szenen nachgespielt und mit der Kamera festgehalten. Und gestern wurden die Fotos aufgeklebt und mit dem Text des Märchens versehen. „Das war aufregend“, sagt die achtjährige Sherina. Mit ihrem schwarzen langen Haar durfte sie Schneewittchen darstellen.
Geplant ist auch ein Coolness-Training, um Gewalt vorzubeugen
Da kamen die 14 000 Euro, die die Stadt jetzt für ein Jahr dem Bürgerverein zuschießt, gerade recht. „Wir konnten ein wirklich gutes Ferienprogramm starten“, ist Quartiersmanagerin Eva Thomas froh. Um die Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien zu unterstützen, werden im Bürgertreff Hausaufgabenhilfe organisiert und Freizeitangebote gemacht. „Wir haben auch ein Anti-Gewalttraining geplant“, sagt Eva Thomas. „Denn wir beobachten immer wieder, wie wichtig Prävention von Gewalt ist, wie schnell eine Situation eskalieren kann und es dadurch zu unangemessenem Verhalten kommt.“
Um Vorbeugung geht es auch der Stadt. „Wir wollen verstärkt auf präventive Maßnahmen setzen“, sagt Jugenddezernent Norbert Feith. „Auch, weil wir uns davon versprechen, auf lange Sicht Erziehungshilfekosten einzusparen.“ Die sind in den letzten Jahren förmlich explodiert. Der Vertrag und die Leistungsanforderungen seien zuerst ein Jahr lang wirksam. „Dann wollen wir das Ergebnis prüfen.“ Die Verwaltung entwickelt gerade entsprechende Standards, mit denen die Wirkung der Maßnahmen gemessen werden soll. Insgesamt investiert die Stadt 250 000 Euro in Präventivmaßnahmen. Die vier Wohlfahrtsverbände bekommen davon je 50 000 Euro (ST berichtete), und quartiersbezogene Projekte wie die „Zietenstraße“ werden mit einer kleineren Summe gefördert.
Etwa 4000 Menschen leben im Quartier rund um die Zietenstraße. „Im Kernbereich wohnen 500 Menschen, davon sind 230 noch keine 19 Jahre alt“, sagt Eva Thomas. Etwa 80 bis 90 Prozent haben ausländische Wurzeln. Der Verein, der sich um den sozialen Frieden im Quartier kümmert, wurde 1998 gegründet. Seit 2003 zahlt die Stadt die Personalkosten für die halbe Stelle der Diplom-Pädagogin. Die Räume stellt der Spar- und Bauverein zur Verfügung. Mit Spenden bestreitet der Verein die Sachkosten. „Wichtig ist uns, dass der Verein ein gutes Netzwerk hat und ehrenamtlich gestützt wird“, sagt Jürgen Bürger, der Leiter der Jugendförderung.