Remscheid. Wenn es um das Thema Fusion geht, erzählt Harald Lux gern die Geschichte vom Huhn, das dem Schwein vorschlägt, eine Frühstücksfusion einzugehen: „Ich gebe das Ei und du den Schinken“. Das Schwein hat Bedenken. Darauf das Huhn: ,Das ist so bei einer Fusion: Einer geht immer drauf.'“
Für den ersten Vorsitzenden der Remscheider Orchesterfreunde steht außer Frage, dass es die Bergischen Symphoniker und die beiden kleineren Städte sind, die bei der zur Debatte stehenden Fusion mit dem Wuppertaler Sinfonieorchester den Kürzeren ziehen würden. Gemeinsam mit den Solinger Orchesterfreunden sprechen sie sich klar gegen eine solche Verschmelzung aus. Und das, obwohl nicht wenige von ihnen den äußerst erfolgreichen Fusionsprozess zwischen den einst selbstständigen Orchestern von Remscheid und Solingen zu den Bergischen Symphonikern hautnah miterlebt haben.
Einer davon ist Hans-Werner Gabriel, 2. Vorsitzender der Solinger Orchesterfreunde. „Vorher hatte jeder sein gemütliches Orchester. Erst durch die Fusion unter Leitung von Romely Pfund und jetzt mit Peter Kuhn hat es dieses Niveau erreicht“, sagt er. Die Voraussetzungen seien freilich damals völlig anders gewesen als heute: „Die Fusion setzte etwas um, was durch jahrzehntelange Kooperation vorbereitet worden war.“
Einsparsumme geringer als in Kulturgutachten angegeben
Heute würden die Bergischen Symphoniker von den Wuppertalern dagegen gar nicht als gleichwertiger Partner wahrgenommen. Weitere Gründe für die Selbstständigkeit hat Harald Lux in einem Positionspapier aufgelistet. Sein Trumpf dabei: Die für Remscheid und Solingen zu erzielende Einsparsumme sei weitaus geringe, als von Actori angegeben, wenn man alle Faktoren berücksichtige. Dazu gehöre die Tatsache, dass bei einer Fusion aufgrund der unterschiedlichen Gehaltsklassen der Orchester zunächst über sieben Jahre eine Mehrbelastung zu erwarten sei, ebenso wie die Berücksichtigung einer Abverzinsung. „Ein Euro ist in der Gegenwart immer mehr wert als in der Zukunft. Das muss man bei einer betriebswirtschaftlichen Rechnung berücksichtigen“, erklärt der Unternehmer.
Bei seiner Rechnung kommen statt der 650 000 Euro von Actori für Remscheid und Solingen gerade einmal 115 000 Euro pro Jahr heraus, gerechnet über einen Zeitraum von 25 Jahren. Die Solinger Orchesterfreunde wollen sogar ein Modell gefunden haben, wonach das Orchester in den nächsten fünf bis sechs Jahren völlig ohne städtischen Zuschuss auskommen könnte. Näheres wollte Hans-Werner Gabriel mit Rücksicht auf laufende Beratungen der Solinger „Gestaltungsmehrheit“ im Stadtrat jedoch noch nicht sagen.
Zu gewinnen gäbe es wenig, zu verlieren viel, meinen die Vereine, die die Bergischen Symphoniker jährlich mit beträchtlichen Summen unterstützen. Groß ist ihre Sorge um den Bildungsauftrag des Orchesters. Das, was jetzt von den Symphonikern für Schüler angeboten werde, könne ein fusioniertes Orchester in drei Städten nicht leisten, glauben sie - im Gegensatz zu Actori. Nicht zuletzt sei das Orchester ein wichtiger „weicher“ Standortfaktor für das Wirtschaftsleben der Städte, betonen die Unternehmer aus den Reihen der Orchesterfreunde. Sie wissen aus Erfahrung, dass es ein lebenswertes Umfeld brauche, um gutes Personal anzulocken - wozu auch die Kultur gehöre. „Die Bergischen Symphoniker sind in dieser Hinsicht ein Leuchtturm“, betont Lux. Sein Fazit: „Diese Fusion ergibt keinen Sinn.“