AUSSTELLUNG Prof. Katja Pfeiffer zeigt ab heute im Museum Baden Arbeiten aus den vergangenen fünf Jahren.
Von Jan Crummenerl
Wandhoch zeichnet sich der Schatten einer Achterbahn ab - genau so, wie man es vom Rummelplatz kennt, wenn sich die gewaltigen Vergnügungsbahnen gegen den Himmel abzeichnen. Aber das, was diesen Schatten wirft, ist keine Achterbahn oder das Modell einer solchen, sondern eine aus über 80 Holzplatten bestehende Skulptur. Dieses Objekt wirkt faszinierend in seiner dreidimensionalen Schichtung und fast skurril in der filigranen und fremden Formgestaltung - wie ein Bauwerk von Außerirdischen - oder vom Mann im Mond. Denn der Mond gibt der Ausstellung, die sich um Illusionen dreht, seinen Titel.
Heute wird im Museum Baden die Ausstellung „Die Fehleinschätzung der relativen Mondgröße“ von Katja Pfeiffer eröffnet. „Hier werden Arbeiten von mir aus den letzten fünf Jahren gezeigt“, erläutert die Künstlerin, die in Berlin und Wuppertal lebt und arbeitet. „Auch wenn die Arbeiten Formüberschneidungen haben, sind sie doch heterogen.“
Der Mond und die Potemkinschen Dörfer
„So habe ich für den Titel der Ausstellung Gemeinsamkeiten gesucht.“ Die finden sich in der Illusion, mit der sich die Künstlerin beschäftigt. So ist die Größe des Mondes, so wie wir ihn am Himmel sehen, eine optische Täuschung. Benutzt man etwa eine Lochblende, sieht man, dass es ein kleiner Trabant ist.
So auch die Achterbahn: Ein Objekt wirft einen Schatten, der etwas ganz anderes zeigt. So kann der Betrachter auch fragen, was nun die Illusion ist: der Schatten an der Wand oder das schattenwerfende Objekt? „Es ist wie ein Blick um die Ecke“, erklärt Katja Pfeiffer, die seit 2006 Professorin an der Bergischen Universität ist. Dort setzt sie sich dafür ein, dass angehende Kunstpädagogen sich vermehrt mit moderner Kunst befassen.
„Das Erstaunen und Entdecken ist etwas ganz Wunderbares“, so Pfeiffer. „Und das ist bei optischen Illusionen der Fall.“ Die gibt es auch jenseits der Kunst. „Etwa die Hälfte der Gebäude am Potsdamer Platz in Berlin gibt es gar nicht - Potemkinsche Dörfer - es sind nur Fassaden.“ Geht man einen Schritt zur Seite, ist die Illusion kaputt und Staunen stellt sich ein - und das auch bei Pfeiffers Werken.
Die Ausstellung wird in einem Katalog dokumentiert, der allerdings erst im Juni erscheinen wird, da die Fotos aktuell in der jetzigen Ausstellung entstehen. „Die Fehleinschätzung der relativen Mondgröße“: Ausstellung von Katja Pfeiffer im Museum Baden (Wuppertaler Straße). Eröffnung heute, 17 Uhr. Zu sehen bis zum 20. Juni, dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr.