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26.07.2010 09:40
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„Das ist einfach in meinem Kopf“

Von Simone Theyßen-Speich

In der Stadtbibliothek lesen und bloggen derzeit Kinder um die Wette, woanders lauschen Kinder phantasievollen Geschichten an ungewöhnlichen Orten - und immer mittendrin ist Claudia Elsner-Overberg, Leiterin der Solinger Stadtbibliothek, die mit kreativen Ideen Kinder für Bücher und für das Lesen zu begeistern versucht.

Wie kommt man als Bibliotheks-Leiterin darauf, als Waldfee verkleidet mit Kindern im Gebüsch Geschichten zu lesen? Claudia Elsner-Overberg: Wir möchten bei den Kindern Phantasie anregen, sie für Geschichten und Bücher begeistern. Auf der anderen Seite gehört das Stillsitzen nicht zu den Grundbedürfnissen von Kindern. Wenn man phantasievolle Aktionen mit Büchern verbindet, macht das Sinn. Und die Ideen sind einfach in meinem Kopf.

Welche Aktionen in der Richtung hat es noch gegeben? Elsner-Overberg: An ungewöhnlichen Vorleseorten hatten wir „Gedichte im Aufzug“ oder „Theke oder Tonne“, wobei die Kinder bestimmen konnten, ob die Vorleser auf der Ausleihtheke oder der Bücherei-Mülltonne sitzen sollten.

Die Vorlesepaten sind ein wichtiges Standbein in dem Angebot für Kinder und Jugendliche. Elsner-Overberg: Auf jeden Fall. 200 Stunden haben die Vorlesepaten im vergangenen Jahr ehrenamtlich gelesen. Auch die neue Idee, in Zusammenarbeit mit der RAA Menschen in ihrer Muttersprache lesen zu lassen, wird sehr gut angenommen.

PRIVAT

PRIVAT Claudia Elsner-Overberg ist 52 Jahre alt und verheiratet.

BERUFLICH Claudia Elsner-Overberg ist seit 1998 Direktorin der Stadtbibliothek Solingen. Zudem hält sie viele Seminare zum Thema Leseförderung.

Das Vorlesen ist nur ein Element im großen Programm. Was gehört noch zu den Leseförderungs-Angeboten der Bibliothek?

Elsner-Overberg: Der Sommerleseclub, bei dem Kinder und Jugendliche Bücher lesen und sie dann im Blog vorstellen, ist gerade wieder ein Riesenerfolg. Beliebt bei den Jugendlichen ist auch der „Kaufrausch“, bei dem die jungen Menschen einmal im Jahr mit Geld vom Freundeskreis der Stadtbibliothek für die Bücherei einkaufen gehen können. Dauerbrenner ist natürlich unser Kinderkuschelkino. Aber auch die Idee, dass in den Buchläden Tische für die Bibliothek stehen, an denen man ein Buch als Spende für die Bücherei kaufen kann, werden wir über die Ferien hinaus fortführen. Man muss halt ständig am Ball bleiben, um die Bibliothek attraktiv zu halten und wichtige neue Medien zu bekommen. Sehr gut nachgefragt sind auch die Führungen für Schulklassen in der Bibliothek. Zudem bieten wir Nachwuchskünstlern die Gelegenheit, ihre Arbeiten in unseren Räumen auszustellen.

Sind all diese Angebote wichtig, um heute noch Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern?

Elsner-Overberg: J ugendliche haben heute eine Lese-Sozialisation durch das Elternhaus, oder sie haben sie nicht. Bis Klasse fünf oder sechs sollte der Spaß am Lesen geprägt sein. Aber ich freue mich, dass sie auf unterschiedlichste Weise den Weg in die Bücherei finden. Es ist auch ok, wenn sich 15-Jährige in der Jugendbibliothek einfach treffen, andere lernen hier für ihre Prüfungen - wer einmal im Haus ist, der nimmt auch was mit.

Wie groß ist denn der Anteil der jungen Leute an der Leserschaft? Elsner-Overberg: Etwa 13 000 Solinger haben einen Bibliotheks-Ausweis, die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Und unter den 284 000 Nutzern, die unser Angebot virtuell im Netz nutzen, sind auch viele junge Menschen. In der Kinder- und Jugendbibliothek gibt es auch eine sehr gute Ausleih-Frequenz. Jedes Medium dort wird neunmal ausgeliehen.



Welche Neuerungen sind für die Zukunft geplant?



Elsner-Overberg:
Wir werden einen Kassenautomaten anschaffen, wo man Gebühren begleichen kann, damit entlasten wir uns von Routinetätigkeiten. Eine Selbstverbuchung steht aber nicht an, so hat es der Rat vor der Sommerpause beschlossen. Inhaltlich plane ich eine „Partisanen-Bibliothek“. Ähnlich wie beim Geo-Cashing können Kinder ihre Lieblings-Bücher als Schatz in der Natur verstecken, andere Kinder müssen sie dann finden.

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