OWB Zahlungsunfähig: Die Genossenschaft beantragt heute das Insolvenzverfahren. Für Mieter soll sich nichts ändern.
Am heutigen Donnerstag, 20. Mai, wird die Ohligser Wohnungsbau eG (OWB) beim Wuppertaler Amtsgericht Insolvenz anmelden. Dies kündigte gestern Vorstand Ulrich Uibel an. Anlass sei jedoch keine Überschuldung, sondern Zahlungsunfähigkeit. Die fehlende Liquidität sei letztlich die Folge aus den vom Oberlandesgericht Düsseldorf vor zwei Wochen zugesprochenen Gehaltsnachforderungen von Ex-OWB-Vorstand Wolfgang Schürmann (59) über 175 000 Euro für den Zeitraum von September 2004 bis Ende März 2006. Zusammen mit Zinsen, Anwalts- und Gerichtskosten liege der OWB eine Gesamtforderung Schürmanns von 299 000 Euro vor. Und diese Summe könne sich noch erheblich erhöhen, falls zwei weitere, derzeit ruhende Kündigungsverfahren gegen Schürmann negativ beschieden würden. Insgesamt käme mit Gehaltsfortzahlungen im Extremfall bis zum 65. Lebensjahr Schürmanns und den Pensionsansprüchen so mittelfristig eine Summe von 1,8 Millionen Euro auf die Genossenschaft zu.
Ex-Vorstand Schürmann habe inzwischen einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss erwirkt, so Uibel: „Wir kommen an unser Konto nicht mehr ran. Es ist gesperrt. Aber das Konto lag sowieso schon in den roten Zahlen. Und wir bekommen bei den Banken keinen Kredit mehr.“ Damit sei der Geschäftsbetrieb lahm gelegt.
Nach einer Sitzung von Aufsichtsrat und Vorstand am Montag habe man aus „zwingenden rechtlichen Gründen“ keinen anderen Ausweg mehr gesehen als den Gang zum Insolvenzgericht.
Ziel sei die Sanierung, nicht die Zerschlagung
Dort will Uibel heute ein „Insolvenzverfahren unter Eigenverwaltung“ beantragen. Das bedeutet: Die Geschäftsführung soll zumindest teilweise in Händen der OWB bleiben. Denn neben dem vom Amtsgericht einzusetzenden vorläufigen Insolvenzverwalter soll auch der Vorstand das Sagen haben - unter Aufsicht und Kontrolle eines so genannten Sachverwalters des Amtsgerichts. Ziel sei, so Uibel, die Sanierung der OWB unter dem Erhalt möglichst aller Immobilien.
Dafür sei ein wichtiger Schritt getan worden: Mit dem Kölner Rechtsanwalt Andreas Amelung (53) ist seit dem vergangenen Montag neben Uibel ein weiterer Vorstand bestellt (siehe auch Seite 18). Der bisherige Mitvorstand Reinhard Fausten (69) ist, so sagt er, „allein aus Altersgründen“ zurückgetreten.
Zusammen mit Uibel soll Amelung, der Spezialist für Gesellschafts- und Insolvenzrecht ist, dafür sorgen, dass die Wohnungsbaugenossenschaft mit derzeit 1460 Mitgliedern und einem Bestand von 970 Wohnungen „in ruhigeres Fahrwasser kommt“.
Um das zu erreichen, hofft man, dass alle Gläubiger - darunter die Stadt und auch Schürmann - zumindest teilweise auf ihre Forderungen verzichten. Für die Mieter soll sich laut dem Vorstand durch das laufende Insolvenzverfahren nichts ändern. hpm