PARTNERSCHAFT Verliebt wie am ersten Tag? Die „Marriage Week“ soll helfen, das Eheglück neu zu entdecken.
Von Gina Käding
Ist die Ehe ein Auslaufmodell? Immer häufiger hört man von gescheiterten Beziehungen und steigenden Scheidungsraten. Doch was kann man tun, damit es gar nicht so weit kommt? Heute beginnt die bundesweite Initiative „Marriage Week – Die Woche der Ehepaare“. Ihr Ziel ist es, den gesellschaftlichen Wert der Ehe zu steigern und Paare in ihrem Zusammenleben zu unterstützen.
„Meine Frau war mein erstes Mädchen, und ich liebe sie heute noch so wie am ersten Tag“, sagt Kurt Maus (84) über seine Frau Wilma (81). 1945 trafen sich die beiden im Alter von 15 und 18 Jahren in der Straßenbahn von Ohligs nach Mangenberg. Seitdem waren sie keinen Tag mehr getrennt. 1952 gaben sie sich das Jawort, in diesem Monat feierten sie Diamanthochzeit. „Natürlich ist man stolz, wenn man da zurückblickt.“
Geschichten wie die von Kurt und Wilma Maus machen Mut, doch sie scheinen derzeit nicht die Regel zu sein. 703 Ehen wurden in Solingen im Jahre 2011 geschlossen. Gleichzeitig reichten 357 Paare die Scheidung ein. Damit liegt Solingen über dem Landesdurchschnitt.
„Bei meinen Eltern fand man noch das klassische Bild der Ehe. Da war einfach auch eine massive wirtschaftliche Abhängigkeit“, erzählt der Solinger Standesbeamte Josef Ruhnau. Alle Paare, die zu ihm kommen, glauben an ihre Liebe, doch oft tun sich schnell Probleme auf: „Bei vielen Scheidungspaaren beobachte ich eine ausgeprägte Unfähigkeit, Konflikte zu lösen.“ Er selbst ist im 32. Jahr verheiratet. „Jungen Paaren würde ich mit auf den Weg geben, wachsam zu sein. Ehrlichkeit, Treue und Offenheit spielen eine wichtige Rolle.“ Eine perfekte Liebe gebe es nicht, man müsse bereit sein Arbeit in die Beziehung zu investieren. Er glaubt nicht, dass die Ehe aussterben wird: „Zumindest nicht, so lange sie unter dem besonderen Schutz des Staates steht und Vorteile wie etwa Unterhalt bringt.“
„Ich weiß nicht genau warum, aber Wilma und ich harmonieren einfach“
„Wenn ich jungen Menschen einen Rat geben sollte, dann wäre das zusammenzuhalten. Der eine muss für den anderen da sein“, weiß Wilma Maus. „Außerdem sollte man immer die Wahrheit sagen“, sagt ihr Mann und fügt hinzu: „Ich hab dich in in all der Zeit nie belogen.“ Doch natürlich gibt es da auch so etwas wie eine unerklärliche Anziehungskraft. Kurt Maus: „Ich weiß nicht genau warum, aber Wilma und ich harmonieren einfach.“
Für viele Paare geht der Stress des Alltags zulasten der Zweisamkeit. Alle, die daran etwas ändern wollen, können dies in der kommenden Woche tun. In Solingen bietet das Zentrum Frieden im Rahmen der „Marriage Week“ verschiedene Veranstaltungen an. Neben einem Sonntagsgottesdienst und einem Vortrag von Autorin Dr. Ursula Sottong am Donnerstagabend wird auch ein Wochenende für Paare angeboten, die sich auf die Spuren ihrer Liebe machen wollen.