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23.02.2012 11:48
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Bleibt Frühchen Linus blind?

Von Uli Preuss und
Andreas Spiegelhauer

Linus verlor sein Augenlicht, Wochen bevor er als Neugeborenes richtig sehen konnte. Die Umstände, die dazu führten, bringen Eugen Ordowski in Rage. Das Frühchen war bei einer Augenuntersuchung mit zu hoch konzentrierten Augentropfen verätzt worden. Ordowski, dreifacher Opa, bangt um seinen jüngsten Enkel, steckt sich seit Tagen einen Zigarillo nach dem anderen an. „Mit den Sorgen um den kleinen Kerl bin ich zum Kettenraucher geworden“, stöhnt er.

Linus kommt aus Solingen und ist eines der drei Frühchen, die in der Wuppertaler St. Anna-Klinik mit falsch dosierten Augentropfen behandelt wurden. Auf dem Laptop in Ordowskis Gräfrather Büro ist das Bild zu sehen, das kurz nach der Entbindung aufgenommen wurde: ein kleines Würmchen, hilflos und in jedem Fall angewiesen auf die Erwachsenen, die mit ihm umgehen.

Dieser Umgang ist es, der Eugen Ordowski auf die Palme bringt. „Sie haben gleich mehrere Fehler begangen“, wirft er den Verantwortlichen vor. Ärzte hatten am 7.  Februar bei der Vorbereitung zu einer routinemäßigen Augenuntersuchung sogenannte Weittropfen verwendet. Um den kleinen Patienten die Pupillen zu öffnen, war gleich bei drei Frühchen ein falsch zusammengemixtes Präparat in die Augen geträufelt worden (ST berichtete). Gleich die 1000-fache Konzentration des Wirkstoffes Benzalkoniumchlorid, der als Konservierungsmittel Verwendung findet, war wohl in der zuständigen Zentralapotheke in Köln gemischt worden. Die Apotheke gehört ebenso wie die St. Anna-Klinik zum Verbund der Cellitinnen, die im Wuppertaler Raum fünf Kliniken betreiben.

Ob dabei ein falsches Rezept ausgestellt oder fahrlässig die fatale Rezeptur angemischt wurde, ermittelt der Staatsanwalt. Die Klinik, die mit dem Vorfall selbst an die Öffentlichkeit ging, geht davon aus, dass bei der Übermittlung der Rezeptur durch die behandelnden Ärzte und bei der Kontrolle in Köln Fehler gemacht wurden, die zu der Überdosierung führten.

Die Babys haben geschrien und sich im Bettchen gewunden

Dass nicht noch Schlimmeres passierte, ist wohl der jungen Solinger Mutter zu verdanken. Sie war dabei, als eine Augenärztin allen drei Kindern die ätzenden Tropfen verabreichte. Die Kinder hätten sofort geschrien und sich in den Bettchen gewunden, gibt Eugen Ordowski weiter, was seine Tochter berichtete. Auf die Reaktion angesprochen, habe die Ärztin abgewiegelt, das sei immer so. Erst als die junge Solingerin erneut bei der zweiten Verabreichung der Tropfen bei ihrem Sohn protestierte, habe die Ärztin Verdacht geschöpft und von den Kindern abgelassen, berichtet der Großvater. Vermutlich hat die junge Mutter den anderen Frühchen so das Augenlicht gerettet. Seit Wochenfrist bemühen sich Spezialisten fieberhaft um das Augenlicht des kleinen Kerls. Eine Operation am Montag vergangener Woche verlief erfolglos. In einer zweiten, vorläufig wohl letzten Operation wollen Augenärzte der Helios Augenklinik den kleinen Solinger vor dem völligen Erblinden bewahren.

Die Familie von Linus hat gegen die Wuppertaler Klinik Strafanzeige gestellt. Zivilrechtler gehen davon aus, dass die Eltern des schwer verletzten Jungen im Fall einer Erblindung ein Anrecht auf die Übernahme der Pflegekosten haben. Die dürften sich über die Jahre auf einen siebenstelligen Euro-Betrag summieren.

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