LEBENSHILFE Betriebsrat sorgt sich um Werkstatt-Team.
„Wir machen Druck“, sagt Betriebsratsvorsitzender Harald Bramstedt. Vor dem Arbeitsgericht leitete er ein Beschlussverfahren gegen seinen Arbeitgeber ein: die Lebenshilfe Werkstatt für Behinderte. Seit drei Jahren sei die Belüftungsanlage im Werkstattgebäude an der Freiheitstraße defekt. „Von draußen wird im Sommer nur noch heiße Luft hereingeschaufelt“, so der Wuppertaler. „Zugelassene Höchstwerte wurden immer wieder überschritten.“ Mitarbeiter hätten deshalb Kreislaufprobleme gehabt.
Geschäftsführer Neumann will Wärmedämmung prüfen
Er sorge sich um die Gesundheit der rund 200 Menschen, die sich im Gebäude um Verpackungs- und Montagearbeiten kümmern. Vor Gericht will Bramstedt durchsetzen, dass die Lebenshilfe eine „Einigungsstelle“ zum Thema Arbeitsschutz einrichtet.
Dazu Geschäftsführer Josef Neumann: „Auch wir haben im Sommer mit Hitze zu kämpfen - wie jeder andere Betrieb auch.“ Es gebe aber Vorsorgemaßnahmen, die sich in der Vergangenheit bewährt hätten - das sehe auch die Betriebsärztin so. An heißen Tagen gebe es zusätzliche Pausen und Getränke für die Mitarbeiter. „Sie sind mit der Lösung zufrieden. Bislang ist niemand zu Schaden gekommen“, betont er.
Die Anlage, wie auch das Gebäude selbst, stamme aus den 70er, 80er Jahren. Eine neues Belüftungssystem würde „enorm viel Geld“ kosten. Doch die Lebenshilfe sei nicht untätig: „Im Zuge von CO2-Minimierung und Energieersparnis wollen wir prüfen, ob wir das Dach zusätzlich dämmen lassen.“
So einigten sich die Parteien gestern: Bis 30. April muss sich der Betriebsrat mit der Leitung an einen Tisch setzen. Scheitern die Gespräche, wird eine Einigungsstelle mit einem Vorsitzenden - dem früheren Direktor des Kölner Arbeitsgerichts - und zwei Beisitzern eingerichtet.
2006 versuchte die Lebenshilfe-Führung, eine außerordentliche Kündigung gegen Harald Bramstedt durchzusetzen. Sie warf ihm vor, unrechtmäßig Holzpaletten mitgenommen zu haben. Bramstedt aber betonte, die Paletten mit Zustimmung vorgesetzter Kollegen mitgenommen haben. 2007 zog die Lebenshilfe den Antrag vor dem Landesarbeitsgericht zurück. cd