UMWELT Der Baustoff ist hochgiftig. Mehr als 2,5 Kubikmeter wurden illegal vor einem Haus an der Felder Straße entsorgt.
Von Uli Preuss
Nebel hing über Solingen, als am Mittwoch Mitarbeiter des Fachentsorgers Scalabrin fast drei Kubikmeter asbesthaltige Platten aus dem Untergrund vor dem Mietshaus an der Felder Straße 54 entsorgten.
Nebel hat die Eigenschaft zu verschleiern, und nichts anderes hatte ein Bauunternehmer aus Höhscheid vor, als er in der Baugrube eines Kunden rund vier Tonnen asbesthaltiges Baumaterial und kontaminiertes Erdreich entsorgte. Ersteres stammte offenbar aus einer eigenen Immobilie.
Das Unternehmen, das seit mehr als zehn Jahren für den Beamten-Wohnungsbauverein zuverlässig arbeitete, war im Herbst mit Tiefbauarbeiten am Sechs-Parteien-Haus beauftragt. Die Besonderheit am Haus: Vor dem Keller und zum Teil fast unter dem Gehsteig existieren zwei alte, bunkerähnliche Räume.
Giftmüll muss vorschriftsmäßig entsorgt werden
Die nutzte der Bauunternehmer, um eigenen Asbest-Sondermüll illegal zu entsorgen. Statt – wie vorgeschrieben – den Giftmüll mit einem verhältnismäßig kleinen Entsorgungspreis von etwa 230 Euro je Tonne vorschriftsgemäß der Deponie Düsseldorf-Hubbelrath zuzuführen, wollte der Mann diese Summe sparen. Die Entsorgung durch eigens geschultes Fachpersonal und Räumgerät dürfte nun um ein Vielfaches teurer werden. Staatsanwalt Wolf-Tilman Baumert, der gestern von dem Vorfall erfuhr, betont, dass es sich dabei um eine Straftat handelt. Es würden wohl Ermittlungen aufgenommen werden.
Das illegale Entsorgen von Giftstoffen wie Asbest beschäftigt auch die Bezirksregirung Düsseldorf. Mitarbeiter werden immer dann aktiv, wenn der Arbeitsschutz missbraucht wird und Arbeitnehmer wie in diesem Fall gefährdet werden. Insider wissen: Gut 1200 Anzeigen jährlich werden alleine im Regierungsbezirk bearbeitet.
Das alles wäre wohl niemals ans Licht der Öffentlichkeit gekommen, wenn der Unternehmer nicht einem Mitarbeiter gekündigt hätte. Der ging ohne Umwege zur Geschäftsleitung des Beamten-Wohnungsbauvereins und erzählte von zwei Baustellen, in denen sein Ex-Chef Asbestplatten „verklappt“ haben soll. Während es sich an der Augustastraße um sehr geringe Mengen handeln könnte, entdeckten Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde an der Felder Straße gleich einige Kubikmeter davon. Karin Spiewak-Berg, Geschäftsführerin beim Beamten-Wohnungsbauverein, sieht das Vertrauensverhältnis zum Bauunternehmen extrem gestört. Sie will in der kommenden Woche mit den Mietern reden, die – so betont sie – zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen seien.
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