WAHL Arne Moritz will im Landtag bleiben. Er tritt für die CDU im Wahlkreis Solingen I an.
Von Uli Preuss
Frischen Fisch und Kohlrouladen mag er, doch Königsberger Klopse liebt Arne Moritz geradezu. „Das Rezept stammt von meiner Großmutter Lisbeth“, sagt der CDU-Landtagskandidat und will es den ST-Lesern nicht vorenthalten (siehe Rezept im Link).
Wir sind im Steinhaus-Restaurant bei Kaffee und Rhabarberschorle und Arne Moritz erzählt. Von Reisen ins Baltikum, von Bergwanderungen mit Partnerin und dem 40-Liter-Rucksack, aber auch von der Sieben- Tage-Woche eines Berufspolitikers, die außerhalb der Sommerpause kaum Raum für Freizeit lässt. „Andererseits“, überlegt der 43-jährige Christdemokrat, „zu ruhig darf es auch nicht sein.“ Einmal, da war Moritz auf Lanzarote. Ein Tag am schwarzen Lavastrand hätte ihm gereicht.
Der Mann ist aktiv, lächelt bei unserem Gespräch, als schmunzele er permanent über einen anspruchsvollen Witz. Humor hat Moritz, ist außerdem Mitglied bei der Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs. Dass Arne Moritz im heimischen Karneval am 11.11.2011 schon einmal den Hoppeditz gab, qualifiziert den CDU-Politiker nicht unbedingt für die Landespolitik, zeigt aber wohl seinen Willen zur Bürgernähe.
So will er sein, versucht auch außerhalb des Wahlkampfes, auf die Menschen zuzugehen. Vereinsbesuche, Bürgersprechstunden und Infostände in der Fußgängerzone sind seine Handschrift.
Angefangen hat das Ende der 80er Jahre. „Damals trat ich mit Klassenkameraden der Jungen Union bei“, erinnert sich Moritz. In Zeiten, in denen der Schulhof am Gymnasium Schwertstraße „zur atomwaffenfreien Zone“ erklärt wurde, wollte er Akzente gegen rote oder grüne Politik setzen.
Nach dem Abitur machte er Zivildienst in der Kindertagesstätte Vorspel. Arne Moritz überlegt: „Hätte es keine Bundeswehr gegeben, hätte ich nicht die Möglichkeit gehabt, Zivi zu werden.“ Der Christdemokrat nennt sich gläubig, schwärmt aktuell von der Gemeindearbeit des Pfarrer-Ehepaares Kristina und Stefan Ziegenbalg in der evangelischen Kirche Widdert.
Zwei-Zimmer-Wohnung mit kleiner Terrasse in Widdert
Das Leben des Arne Moritz ist außerhalb der Politik eher unauffällig. Da springt keiner mit dem Fallschirm ab. Ein Auto (VW Scirocco), ein Fahrrad, eine Zwei- Zimmer-Wohnung mit kleiner Terrasse in Widdert – das war’s. Das Recht auf Privatsphäre bittet sich der Landtagskandidat aus und lehnt höflich die ST-Anfrage zu einer „Homestory“ ab.
Deutlich wird er, wenn es um die politische Arbeit geht. Was am 1. Mai auf Solingen zukommt, beunruhigt ihn nur bedingt. Die Bürger hätten aus dem Brandanschlag gelernt, mit extremen Gruppen umzugehen, meint Moritz. Schön sei es, dass sich die Solinger Moschee-Gemeinden jetzt so deutlich gegen die Salafisten positioniert hätten.
Der Angriff auf einen Solinger Journalisten und auswärtige TV-Teams ärgert ihn, weil „die Pressefreiheit ein hohes Gut ist, für das man eintreten müsse“.
Und die Pro-NRW-Kundgebung? Arne Moritz überlegt. Es sei vielleicht besser, „den paar Männeken“ nicht so viel Aufmerksamkeit zu schenken. Dann würden sie sicher auch nicht so stark wahrgenommen.
Der 43-Jährige hat mit CDU-Geschäftsstellenleiter Wolfgang Müller seinen Wahlslogan entworfen: „NRW braucht mehr Solingen“. Gemeint sind die Dinge in dieser Stadt, die beispielhaft auch der Landespolitik gut tun würden. Der Sparwille zum Beispiel, „auch wenn er bestraft worden ist“, wirft Moritz ein.
„Flapp, Flapp, Flapp“, beschreibt Hobbywanderer Moritz das Geräusch der Windräder in deutschen Wäldern und fragt sich, ob ganze Windparks nicht sinnvoller seien als vereinzelte Windräder wie das genehmigte in Gräfrath. Wir lassen die geplante Suppe aus und Arne Moritz schaut an sich runter. 173 cm ist er hoch und etwa 75 Kilogramm wiegt er. „Etwas zuviel“, sagt der Kandidat, „aber im Wahlkampf steigt ja bekanntlich der Kalorienverbrauch.“