GRUNDSCHULEN Nächste Woche sollen Betreuungszeiten für die ganze Stadt vereinbart werden.
Die Betreuung im offenen Ganztag an Grundschulen soll an festere Zeiten gebunden werden. Das wollen der Jugendhilfe- und Schulausschuss in einer gemeinsamen Sitzung am nächsten Montag beschließen.
An vier Tagen in der Woche soll eine Betreuung von spätestens 8 Uhr bis 16 Uhr und freitags bis 15 Uhr gewährleistet sein, außerdem an Brückentagen und in den Ferien. Bisher gilt das Angebot an drei Tagen in der Woche bis 16 Uhr, an zwei Tagen sind kürzere Zeiten möglich. Auch bei besonderen Gelegenheiten können Kinder in Absprache früher abgeholt werden.
Ute Norz (42) ist Mutter eines Sohnes (8), der bereits im offenen Ganztag der Grundschule Stübchen betreut wird, und einer Tochter (5) die ab Sommer die Schule besuchen wird. Über die geplante Neuregelung ärgert sie sich aus verschiedenen Gründen. „Zum einen sind meine Kinder in Sportvereinen aktiv. Die neuen Pflichtzeiten an der Schule wären damit nicht mehr vereinbar“, erklärt die Berufstätige. „Zum anderen ärgere ich mich über die mangelnden Informationen, die wir Eltern erhalten.“ Jetzt versucht sie, Eltern aller Grundschulen zusammenzutrommeln, um den geplanten Beschluss am Montag noch zu verhindern.
Erst vor drei Wochen habe sie erfahren, dass er überhaupt geplant sei. „Außerdem hätte ich es sinnvoll gefunden, dass vorab einmal der Bedarf der Betreuungszeiten bei den Eltern abgefragt wird.“ Ihr Wunsch: Ähnlich wie in vielen Kindergärten eine fest definierte Kernzeit, zu der die Kinder anwesend sein müssen, und darüber hinaus flexible Betreuung nach Bedarf.
„Die Information der Eltern ist Sache der Schulleitungen“, sagt Markus Preuß (BfS), Vorsitzender des Schulausschusses. Diese seien bereits seit März informiert. Zu der Beschlussvorlage erklärt er: „Es soll vor allem stadtweit ein verlässlicher Standard festgeschrieben werden, was die Betreuungszeiten angeht.“ Danach könnten sich dann auch etwa Vereine mit ihren Angeboten richten.
Mitbestimmung der Eltern durch Stadtschulpflegschaft gewährleistet
Er sieht die Flexibilität der Betreuungsangebote daher durch die eventuelle Neuregelung nicht bedroht. Was die Mitbestimmung der Eltern im Vorfeld angeht, betont Preuß, dass dies eines der wichtigsten Instrumente in der Schulpolitik für ihn sei. Im Schulausschuss sei sie dadurch gewährleistet, dass die Stadtschulpflegschaft mit am Tisch sitzt. „An die sollten sich Eltern, die wegen der Beschlussvorlage Bedenken haben, unbedingt wenden“, empfiehlt er.
Ute Norz hat bereits die Solinger Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) und verschiedene Solinger Gremien angeschrieben. „Aus Düsseldorf kam Antwort – aus Solingen bisher nicht.“ Dass es überhaupt zu einer Änderung der Betreuungszeiten kommen soll, liegt in der Landesgesetzgebung begründet. Diese verlangt einheitliche Zeiten an den Schulen einer Stadt. „Erfüllen wir das nicht, bestehen Rückforderungsansprüche bereits gezahlter Fördergelder für den offenen Ganztag“, erklärt ein Stadtsprecher.
Das kann Ute Norz durchaus nachvollziehen. Sie beruft sich aber auf die Antwort, die sie vom Ministerium erhalten hat. Hier heißt es, es gebe durchaus Möglichkeiten für flexible Regelungen. Die täglich geltenden Anwesenheitszeiten seien „in der Regel“ erforderlich. Über Ausnahmen müsse vor Ort – also in den Kommunen – entschieden werden. cbi