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12.04.2013 11:33
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5500 Lachse ziehen in die Nordsee - mit Video

Von Melissa Wienzek

Jens Manns stolpert. Zum Glück hat er eine Wathose an, so bleibt seine Jeans darunter trocken, als er sich mit Alexander Ribeiro Alves durch das oberschenkeltiefe Wupper-Wasser einen Weg bahnt. Die freiwilligen Helfer des Sportanglervereins Bayer Leverkusen schleppen eine große Kiste mit „Lebendladung“ in die Flussmitte. Darin tummeln sich hunderte Lachssmolts, also heranwachsende Lachse, die zwischen 12 und 18 Zentimetern groß sind.

Vorsichtig lassen die

AUER KOTTEN

WIDDERT Im März vergangenen Jahres ist der Fischaufstieg am Wehr des Auer Kottens in Widdert fertiggestellt geworden. Die Fische, meist Lachse, die in der Vergangenheit zum Laichen zum Auer Kotten kamen, schafften den steilen Aufstieg nicht. Oft wurden die Tiere abgefischt. Die neuen Fischtreppen sollen helfen. Zehn Jahre dauerte es, bis der Umbau startete.

Männer den Bottich hinab und schüppen mit der freien Hand Wupper-Wasser hinein. „Damit sie sich langsam an die neue Wassertemperatur gewöhnen“, erklärt Ribeiro Alves. „Setzt man sie zu schnell um, können sie einen Schock erleiden.“ An diesem Tag ist das Wasser im „Bergischen Amazonas“, wie Dokumentarfilmer Sigurd Tesche die Wupper liebevoll nennt, zwischen 6 und 8 Grad kalt. In den drei 800-Liter-Transportboxen herrschten zuvor 4 Grad. Lachs für Lachs flutscht aus der Kiste in die Wupper. Von weitem sieht man die kleinen Fische in der Flussmitte silbrig schimmern. Manche von ihnen halten sich sogar am seichten Uferrand auf. Sofort bugsieren Helmut Wuttke und Christian Weber eine weitere Kiste mit Lachsen ins Gewässer.

Kraftwerk Glüder
macht den Experten Sorgen

5500 Smolts hat das Team am Donnerstag am Kanu-Einstieg unter der Straßenbrücke in Glüder in die Wupper „gesetzt“. Die Fische ziehen nun in den rund 35 Kilometer entfernten Rhein und bahnen sich von dort aus ihren Weg in die Nordsee. Dort bleiben sie etwa ein Jahr lang, manche auch zwei. Ab Ende August 2014 kommen die am Donnerstag „freigelassenen“ Lachse dann zum Laichen wieder zurück in die Wupper. In dieser Phase des „Laichgeschäfts“ fressen die Tiere übrigens nichts. In der Nordsee ernähren sie sich unter anderem von Krill, also Kleinkrebsen.

Um erkennen zu können, welche „Heimatrückkehrer“ zu den im Jahr zuvor eingesetzten Lachsen gehören, werden die Tiere gekennzeichnet – mit einem sogenannten Adiposenschnitt. Dabei wird den herangezogenen Smolts unter Betäubung die Fettflosse abgeschnitten. „Das tut ihnen nicht weh und behindert sie auch nicht beim Schwimmen“, betont Helmut Wuttke, 2. Vorsitzender des Bergischen Fischerei-Vereins.

Besonders stolz ist er auf den Nachwuchs eines „Rückläufers“. Zum ersten Mal wurden aus einem zuvor in die Wupper gesetzten Lachs 3500 Eier im Bruthaus herangezogen. Vergangenes Jahr fingen die Fisch-Freunde zwei markierte Lachse.

Fünf Vereine, die Gewässerabschnitte der Wupper gepachtet haben, und die Genossenschaften an der Wupper haben das diesjährige 3500 Euro teure Lachsbesatz-Projekt unterstützt.

Sorgen macht Wuttke und seinen Kollegen das Wasserwerk Glüder. „Der Fischaufstieg dort ist viel zu steil.“ Das Kraftwerk sei eines der ersten gewesen, das man entlang der Wupper gebaut habe. „Heute würde man es abreißen und neu bauen.“ Die Experten wünschen sich einen weiteren Abstieg im Obergraben des Kraftwerks. Denn viele Fische landen in der Turbine und tragen bleibende Schäden davon. Laut Wuttke haben die Stadtwerke Solingen Bereitschaft signalisiert.

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