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19.01.2010 09:23
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40 Arbeitsplätze gerettet?

„Das hat uns alle schockiert. 155 Leute: Das ist ein Viertel der Belegschaft gewesen“, erinnert sich Jürgen Wiegand an den letzten Herbst, als die Zwilling-Geschäftsleitung die größte Entlassungswelle der letzten Jahrzehnte ankündigte. Von da an kämpften der Betriebsratsvorsitzende und sein Stellvertreter Heinz Stamm um jeden einzelnen Arbeitsplatz. Nach der außerordentlichen Betriebsversammlung am 13. November trafen sie sich mit dem Vorstandsvorsitzenden Claus Holst-Gydesen in Neuss.

„Man hat uns Gesprächsbereitschaft signalisiert“, sagt Wiegand - und schon bei der regulären Betriebsversammlung am 16. Dezember konnte er über erste Erfolge berichten. „Wir haben zunächst über die Auszubildenden gesprochen“, erläutern die Betriebsräte. Die knapp 20 Lehrlinge, die 2010 ihre Prüfungen ablegen, sollten nicht übernommen werden. Jetzt können sie wenigstens bis Ende des Jahres im Betrieb bleiben.

Erste Erfolge bereits im Dezember erzielt

„Im Dezember haben wir den Kollegen schon mitgeteilt, dass wir die Zahl der Betroffenen von 155 auf 107 bis 115 reduzieren konnten“, berichten Wiegand und Stamm. „Dafür haben wir auch geschwitzt ohne Ende und lange gekämpft.“ Im elfköpfigen Betriebsrat fanden sich fünf Mitglieder zu einem Ausschuss zusammen, der sich nur mit den vorgesehenen Entlassungen beschäftigt.

„Seit Anfang der 90er Jahre ist bei Zwilling noch nie über diese Menge von Kollegen gesprochen worden“, betont der Betriebsratsvorsitzende. „Das Höchste waren 60 Kündigungen.“

Die Entlassungen gehen quer durch das Unternehmen und treffen - zum ersten Mal, wie die Betriebsräte sagen - auch den kaufmännischen Bereich in größerem Ausmaß. „Die Verwaltung hat man eigentlich nie angetastet.“ Zurzeit sei man in einer „freiwilligen Entscheidungsphase“. Etwa 25 Mitarbeitern habe die Personalleitung bisher Vorruhestandsregelungen nahegelegt. Auch würden Abfindungen angeboten, bei denen der Arbeitgeber sich „großzügig“ zeige, so Stamm. „Es hat schon einige einvernehmliche Regelungen gegeben. Viele bemühen sich selbst um eine neue Stelle.“

„Wir haben ausgehandelt, dass alle ausscheidenden Kollegen ein Outplacement bekommen, wenn sie wollen“, erklären die beiden Betriebsräte - dass sie beraten werden, wie man sich bewirbt und eine neue Stelle findet.

Möglich wurden die betriebsbedingten Kündigungen, als Zwilling Ende 2009 die Kurzarbeit beendete. Die Auftragslage hat sich nach Einschätzung des Betriebsrats zwar nicht gebessert („wir hoffen auf neue Aufträge“), aber betriebsbedingte Entlassungen sind während der Kurzarbeit nicht möglich. Im Unternehmen gilt jetzt wieder die 35-Stunden-Woche.

Bei Zwilling lief Ende Dezember der drei Jahre gültige Tarifvertrag zur Standortsicherung aus. Er enthielt die Verpflichtung, zehn Millionen Euro am Standort Solingen zu investieren. Das ist nach Beobachtung der Betriebsräte auch geschehen. Das Geld sei vor allem für schnellere, leistungsfähigere Maschinen ausgegeben worden.

Die nächste Betriebsversammlung findet im März statt. Dann soll ein Zwischenergebnis im Kampf um die Arbeitsplätze präsentiert werden. flm