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08.03.2012 15:39
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1200 Streikende legen Solingen lahm

Von Melissa Wienzek und Hans-Peter Meurer

Viele Solinger litten am Mittwoch unter dem Warnstreik im öffentlichen Dienst: 1200 Protestler legten nicht nur die Arbeit nieder, sondern damit auch Solingen lahm. Was so mancher Autofahrer allerdings begrüßte: Acht Politessen, damit ein Viertel der städtischen Überwachungskräfte, streikten ebenfalls für mehr Lohn: Gestern wurden Knöllchen für rund 2400 Euro weniger als an normalen Werktagen geschrieben.

Schon um fünf Uhr am Mittwochmorgen stülpte sich Busfahrerin Hava Gorke (43) die Plastik-Weste der Gewerkschaft komba über und griff zur Fahne.

DER STREIKTAG

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VERKEHR Wegen des Streiks am Mittwoch blieben die Busse im Depot. Folge: erhöhtes Verkehrsaufkommen. Stau um 7.15 Uhr von der Friedenstraße bis zur Merscheider Straße, vom Eselsweg bis zur Löhdorfer Straße. Stau auch um 8 Uhr auf der Weyerstraße. Die Mitfahrzentrale hatten am Mittwochmorgen nur noch eine Fahrt nach Viersen frei. Die Taxi-Unternehmen machten mehr Umsatz.

Ihre Kollegin Heike Becker (45) setzte die Gewerkschafts-Kappe auf und los ging’s zum Streik Richtung Rathaus. Gut gestärkt mit Kaffee und Kuchen und dick eingepackt waren sie mit die Ersten, die in Solingen streikten. 6,5 Prozent mehr Lohn fordert die Gewerkschaft Verdi für Beschäftigte von Bund und Kommunen. „Das ist eine gute Verhandlungsgrundlage. Ich gebe die Hoffnung nicht auf“, sagte Gorke.

„Mehr als angebracht“ findet Krankenpfleger-Azubi Niklas Paulsen (21) die Lohnerhöhung. Er ist einer von rund 90 Azubis, die vom Städtischen Klinikum aus loszogen. „Denn wir tragen Verantwortung für die Patienten, zum Beispiel mit der Medikamenten-Gabe. Der Job ist geistig und körperlich anstrengend.“

Postboten wurden mit Taxen
und Privatwagen gefahren

Nach einer kurzen Ansage um kurz vor 10 Uhr auf dem überfüllten Rathaus-Vorplatz zogen die rund 1200 Streikenden zur Kundgebung zum Müllheizkraftwerk. Dabei legten sie kurzerhand die Konrad-Adenauer-Straße, den Schlagbaum und die Kronprinzenstraße lahm. Ein Trupp von zahlreichen Stadtwerke-Autos schloss sich an. Die Polizei regelte teilweise den Verkehr.

Aus der Trillerpfeifen- und Transparente-Masse heraus stach Ingeborg Dörsam (56). Entschlossenen Schrittes trillerte sich die Erzieherin ohrenbetäubend den Frust von der Seele. Gemeinsam mit Simone Möhring (44), Stephan Klein (51) und über 30 weiteren Beschäftigten des öffentlichen Dienstes kam sie aus Monheim. „Krankenkasse, Versicherungen und Benzinpreise steigen, aber unsere Löhne nicht. 6,5 Prozent sind schon zu wenig.“ Sie protestiere auch für ihren Sohn: „Er hat die Ausbildung abgeschlossen, wurde aber nicht übernommen.“ Wenn die nächste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern am 12./13. März scheitere, gehe sie wieder auf die Straße.

Jürgen Krause, Verdi-Geschäftsführer im Bezirk Rhein-Wupper, war überwältigt von der Masse an Menschen bei der Kundgebung am Müllheizkraftwerk. „Das macht Eindruck. So können wir etwas bewegen.“ Hans Peters, Ex-DGB-Regionsvorsitzender, appellierte: „Heute ist das Ende der Zumutbarkeit.“

Uwe Hedtfeld, freigestelltes Mitglied des Personalrates der Stadt, nannte den öffentlichen Dienst „die Hauptschlagader des Lebens in der Stadt“. Die Lohnerhöhung sei „ein Gebot für wirtschaftliche Vernunft“. Sollten die Arbeitgeber kein vernünftiges Angebot vorlegen, wolle man notfalls auch in den Vollstreik treten. Die „Warnstreik-Singers“ brachten es mit einem Ständchen auf den Punkt: „Wir wollen sechs Prozent, da sind wir konsequent und verzichten nicht auf einen Cent.“

Der Streik hatte Auswirkungen auf den Verkehr: Busse blieben im Depot. Die Folge: Stau. Die Postboten – über 100 waren im Einsatz – wurden teils mit Taxen, teils mit Transits der Post und teils mit Privatwagen zu den Ausgabestellen gefahren. Verzögerungen gab es nicht.